Wenn morgens zum Frühdienst kommt und erfährt, dass man zusammen mit einer Schwester für 30 Patienten verantwortlich ist, kann man davon ausgehen, dass der Tag eher mies wird. Wenn man von diesen 30 Patienten 12  waschen muss (OP, oder vorerkrankungsbedingt) kann man davon ausgehen, dass der Tag anstrengend wird. Wenn einem dann morgens vor der Übergabe der demente kleine Opi mit seinem gezogenen ZVK in der Hand entgegen schlurft, könnte man davon ausgehen, dass der Tag zumindest recht lustig wird. (“Das hat hier am Hals so gezwickt, da hab ich das Ding vorsorglich mal rausgezogen”)

Schlimm waren heute nicht die zu waschenden Patienten, die 30 neu zu beziehenden Betten, die 15 vorzubereitenden Antibiotika, das vermummen vor den 4 MRSA -Zimmern oder der demente kleine Opi, der vergessen hat, dass er einen Dauerkatheter hat, den er gerade auf das ca. 4-fache seiner ürsprünglichen Länge dehnt, während er versucht das Bett seines Zimmernachbarn zu “reparieren”.

Schlimm ist, dass ich die ganze Woche damit beschäftigt war, Fehler und Fehlverhalten meiner Kolleginnen und Kollegen zu erklären und auszubessern. Ich arbeite in einem vor 4 Jahren privatisiertem Krankenhaus der Maximalversorgung. In den letzten Jahren hat es der neue Besitzer geschafft, ein marodes Klinikum aus den roten Zahlen zu holen. Natürlich spart der Unternehmer am Kostenfaktor nummer eins, dem Personal. Nachdem zuerst Putzfrauen und Servicekräfte in Tochterunternehmen outgesourced wurden, traf es die Kollegen aus der Verwaltung und schließlich die Pflegekräfte. Alters- oder krankheitsbedingt ausscheidende Kollegen wurden nicht ersetzt, Krankenpflegeschüler nicht übernommen. Alles in allem setze ich den Pflegenotstand einfach mal als bekannt voraus und das ich kein Freund von Privatisierungen, vor allem nicht von Privatisierungen von Krankenhäusern bin, weiß jeder, der mich kennt.

Nun gibt es Kollegen, die sich damit abgefunden haben und eben jeden Tag versuchen, es jedem recht zu machen. Dann gibt es Kollegen, die schon immer eher im Hintergrung agiert haben. Diese Kollegen sind mit der für sie plötzlich auftretenden Arbeitsbelastung natürlich vollkommen überfordert. Das spüren, möglicherweise noch vor dem Patienten, in erster Linie Krankenpflegeschüler.

Diese Kollegen verbreiten eine Unruhe, die sich stellenweise auf Patienten überträgt. Grundlegende Höflichkeitsformen werden vergessen (oder waren nie vorhanden), die Pflegekraft hat grundsätzlich recht und sollte sich ein Patient wagen zu klingeln, wird er sofort zurecht gewiesen. Wenn solche Leute im vorherigen oder nachfolgenden Dienst arbeiten, ist Schadensbegrenzung angesagt. Schadensbegrenzung war meine Hauptaufgabe in dieser Woche. Ich lasse meine Kollegen ungern denunzieren, aber was ist, wenn es stimmt?

Was soll man sagen, wenn der Patient am Nachmittag noch das Tablett vom Frühstück im Zimmer liegen hat und es nur deshalb dort steht, weil die Schwester meinte “Das is noch vom Frühdienst übrig, nicht meine Aufgabe”. Durchgesutschte ZVK-Verbände/Pflaster halb am Hals herunter hängen und nur noch von den Fäden gehalten werden, die ihn in seiner Position halten sollen, weil die Schwester “nicht an ZVK’s geht, das is ärztliche Tätigkeit” (wer ihr diesen Floh ins Ohr gesetzt hat würde ich gerne mal wissen). Oder die inkontinente Omi, die mich fragt, ob ich ihr Bett machen könnte, weil sies nich rechtzeitig auf die Toilette geschafft hat, die Schwester sie aber angeschrieen habe, dass sie dafür jetzt keine Zeit hätte (mittlerweile waren 4 Stunden vergangen).

Solche Kolleginnen und natürlich auch Kollegen, werde ich niemals, vor niemandem in Schutz nehmen. Eine Lösung dieser Probleme stelle ich mir schwierig vor. Nicht alle waren schon immer von grund auf böse. Das hoffe ich zumindest. Vielleicht sollte man Schülerbewertungsbögen endlich mal richtig ausfüllen und nicht überall die volle Punktzahl vergeben. Punkte, die den Umgang mit den Patienten und Kollegen behandeln, gibt es in den Dingern genug. So würde man eine potentielle Gefahr für Patienten und das Kollegium evtl. schon in der Probezeit erkennen können.

Über den chronisch unzufriedenen Patienten, der Fehler immer bei anderen sucht, nach 3 frischen Bypässen und überstandenem Intensiv- Aufenthalt erstmal eine Rauchen muss und seinen Diabetes mit Literweise Cola pflegt, werde ich bei Gelegenheit noch berichten.