Wie lange darf/sollte man trauern, wenn man nach 9 ½ Jahren Beziehung plötzlich verlassen wird? Wie viel Zeit sollte man ins Land gehen lassen, bevor man etwas neues anfängt?

Fast genau zwei Monate ist es nun her. Sie kam gerade frisch aus Berlin. Ein Kurztrip. Ein Besuch bei ihrer Freundin. Sie verhielt sich merkwürdig, zu diesem Zeitpunkt noch verständlich. Wenn man mit mitte 20 aus dem hippen Berlin zurück in die Provinz kommt, scheint alles langweilig und alt. Unsere Beziehung schien das für sie auch zu sein.

Sie schrieb mir, dass sie mir erklären wollte, warum sie sich in den letzten Tagen so komisch verhalten hatte. Ich rief sie an, sie wollte sich mit mir an einem neutralen Ort treffen. Abseits von Menschen oder unseren Wohnungen. Ich wusste sofort, dass etwas sehr schlimmes bevorstand, doch hoffte ich, sie wäre „nur“ fremd gegangen. Sie machte schluß. Sie warf mir vor, dass sie schon länger gesagt hätte, dass sie meine Unspontanität nicht länger tragen kann und…………………das sie einen anderen kennen gelernt hat. Ihre Vorwürfe klangen für mich so sehr an den Haaren herbei gezogen, doch sie bestand auch Wochen später noch darauf, dass ich und meine “Schlurigkeit”, meine Unspontanität die eigentlichen Gründe für die Trennung waren. Elend lange Diskussionen über Grund und Auslöser der Trennung. Ich habe sie gehasst. Innerhalb von Minuten nahm sie mir mein komplettes Selbstbewusstsein.

Auf der Fahrt nach Berlin schrieb sie mir aus dem Auto ihrer Mitfahrgelegenheit, dass sie mich gar nicht hat gehen lassen können, so verliebt sei sie. Im Endeffekt konnte sie es wohl doch.

Ich rauchte zwei- drei Zigaretten, konnte vor Wut nichts sagen. Wollte es nicht noch schlimmer machen. Noch schlimmer!

Ich sagte ihr, dass ich sie noch nie so sehr geliebt habe, wie zu diesem Zeitpunkt unserer Beziehung. Sie sagte „Ich weiß“.

Eine gemeinsame Zukunft war geplant. Weg ziehen. Zusammen ziehen. Wir waren beide Jahrelang keine Freunde des zusammen ziehens. Aber nun war der Moment gekommen. Dachte ich zumindest. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir auf der Bank an diesem Fluss saßen. Irgendwann bin ich aufgestanden, hab ihr viel Spaß in ihrem neuen Leben gewünscht und bin gegangen.

Zu Hause hab ich angefangen Bier zu trinken. Rückblickend betrachtet, habe ich in den vergangenen 8 Wochen eigentlich nichts anderes gemacht. Aber anscheinend habe ich zwischenzeitlich auch noch gearbeitet. Meinen Job habe ich noch und alle sind nett zu mir.

Über die Tage nach der Trennung will ich gar nicht viel schreiben. Jeder, der auch nur ansatzweise so lange in einer Beziehung war, kann nachvollziehen, wie ich mich gefühlt  habe.

Die Aussprache fand knappe zwei Wochen nach der Trennung statt. Sie kam zu mir. Ich hatte mir fest vorgenommen, nicht zu weinen. Sie kam, nahm mich in den Arm und ich fing an zu weinen, wie ein kleines Kind. Sie erzählte mir, dass sie Dennis kennen gelernt hat. Dennis. Warum hat sie mir den Namen gesagt? Ich hoffe für Dennis, dass er mir nie über den Weg läuft. Die Aussprache an sich war…was soll ich sagen? Gut? Wir haben zusammen geschmunzelt, konstruktiv diskutiert. Natürlich haben wir das. Ich wollte sie wieder haben. Ich hätte mir den rechten Arm abgeschnitten, wenn sie es von mir verlangt hätte.

Ich schaute in ihr wunderhübsches Gesicht und suchte verzweifelt nach der Frau, die ich in den letzten neuneinhalb Jahren so sehr geliebt habe. Sie war so kalt, wenn sie von ihrer Entscheidung sprach. Wer ist diese Frau? Ich fragte sie, ob sie sich erinnert, wie ich vor ein paar Monaten zu ihr sagte, dass ich mir vorstellen kann, dass sie auch im Alter noch wunderschön sein wird. Zu gerne hätte ich es erlebt.

Zuerst habe ich die offensichtlichen Mahner an eine schöne Beziehung in eine Kiste gepackt. Bilder, Geschenke, ihr T-Shirt das sie trug, wenn sie bei mir übernachtet hat. Doch schlimm waren nicht die offensichtlichen Bilder, die unmittelbar vor mir lagen oder hingen. Es waren die Bilder, die sich in den Jahren eingebrannt haben. Treue Augen blicken mich an, als wir letzten Sommer an genau der Stelle am Fluß lagen, an der sie schluss gemacht hat. Der Sonnenuntergang in Schweden,  an diesem See, sie am Horizont auf dem Steg. Ich wünschte mir jeden Tag, dass sie ein wenig mehr verblassen. Mittlerweile kann ich sagen: sie verblassen.

Und jetzt? Sie bestimmt nicht mehr meinen Tagesablauf, meine Gedanken. Es geht auch ohne sie. Sehr gut sogar. Die Momente, an denen ich an sie denke, sind kein Schlag ins Gesicht mehr. Was sie gerade macht oder fühlt ist mir egal. Ich verspüre keinen Hass, ich fühle Gleichgültigkeit. Ist das nach zwei Monaten zu früh? Ich weiß es nicht. Ich habe viele schöne  Dinge erlebt, seit sie weg ist. Dinge, die ich sicherlich gerne mit ihr geteilt hätte. Es gibt viele Momente, die mir Freude bereiten und das ist es, worauf ich derzeit meinen Fokus lege. Auf mich und was mir Freude bereitet!

Nachtrag:

Fuck that! Ich vermisse sie wie am ersten Tag und trotz des ganzen Hasses, den ich verspüre…..whatever. Ich bin noch nicht darüber hinweg und das habe ich mittlerweile eingesehen.

Damit möchte ich dieses Thema zumindest im Blog abschließen und mich ihm im allgemeinen wieder mehr widmen.

Bis demnächst!