Hat ja nun lange genug gedauert näch? Als möglichrweise letzter Musikblog der Welt hier nun meine Album- und Song Top 10 des Jahres 2011.

10. And So I Watch You From Afar – Gangs

Was? Platz 10? Ja “nur” Platz 10. Selten hab ich mich so auf den Nachfolger eines Debüts gefreut, wie auf den von And So I Watch You From Afar’s selbstbetitelten, ersten Albums. Wer drei Jahre fast ununterbrochen tourt und das Album quasi nebenher einspielt, kann etwas richtig und so viel falsch machen. Ich find es zu hektisch und das, was ASIWYFA vorher ausgezeichnet hat, nämlich endlich mit dem Post-Rock Einheitsbrei zu brechen, zeichnet sich jetzt in erster Linie durch seelenlose dicke Hose Riffs aus. Ich hab das Album nach Veröffentlichung etwa einen Monat rauf und runter gehört und jetzt, ca. ein halbes Jahr nach Veröffentlichung, ist es nie das Album meiner Wahl, wenn ich mir denke “Ich könnte mal wieder And So I Watch Your From Afar” hören”. Chris Wee’s unglaubliches Schlagzeugspiel, die perfekt aufeinander eingestimmten Gitarristen Tony und Rory, die klingen, als würden sie zusammen an einer Gitarre stehen. All das fehlt mir bei “Gangs”
And So I Watch You From Afar – Gang (starting never stopping) by Wouttie

 

9. Fionn Regan – 100 Acres Of Sycamore

Mit seinem dritten Werk vereint Fionn Regan die Stile der ersten beiden. Während “The End Of History” noch komplett akustisch war, war der Nachfolger “The Shadow Of An Empire” stark an Bob Dylan angelehnt und über viele Strecken beschwingter und fröhlicher. 100 Acres Of Sycamore ist mal traurig, mal fröhlich und dabei immer perfekt auf die jeweilige Stimmung instrumentiert.
Fionn Regan – 100 Acres of Sycamore (Live) by oresti

 

 

8.  Jono McCleery – There is

Die perfekte Symbiose aus Fink und dem Cinematic Orchestra war das erste, was mir in den Kopf schoss, als ich Jono McCleery’s Debut “There Is” zum ersten mal gehört habe. Folk mit Electronica-Einflüssen? Vielleicht. Jono McCleery benutzt die Gitarre nicht nur als Mittel zum Zweck, alle Instrumente und Effekte sind perfekt platziert und bauen in manchen Songs eine Spannung auf, wie ich sie bei einem Folk-Sänger bisher noch nicht gehört hab!
Jono McCleery – Tomorrow by fvfestival

7. Fink – Perfect Darkness

Fink macht seit vier Alben das, was er am besten kann. Stimmungsvollen, melancholischen Folk. Anders als zum Beispiel José González fehlt ihm aber das technische Know-How, um sich weiter zu entwickeln. So blieb bei “Sort Of Revolution” lediglich ein acapella-Song als einzige Abwechslung übrig. “Perfekt Darkness” macht vieles anders und alles richtig. Die Song-Strukturen erinnern wieder an die frühen Aufnahmen. Sie bauen sich wieder herrlich auf und besonders live zeigen die neuen Songs ihre Stärke, wenn aus einem ruhigen Song plötzlich ein Gewitter aus Schlagzeug, verzerrtem Bass und Lightshow entsteht.
Fink – Perfect Darkness by Juliapop

6. Radiohead – The King Of Limbs

Ich bin ehrlich: Von Radiohead erwarte ich nicht mehr sonderlich viel. Sie haben sich darauf spezialisiert, überdurchschnittlich gute Alben zu machen und das machen sie auch. Es ist wunderbar bei jedem Album eine weitere Weiterentwicklung mit anzusehen. Jedes einzelne Radiohead Album hat eine besondere Stimmung, die ich jedes mal egal zu welcher Tages- Nacht- oder Jahreszeit abrufen kann und die mich immer wieder in genau die gleiche Stimmung versetzt, die ich hatte, als ich das jeweilige Album zum ersten mal gehört habe. “Little By Little”, “Codex” und “Separator” sind unglaubliche Songs und doch fehlt irgendwas. Vielleicht wird man irgendwann müde, von einer Band wie Radiohead immer wieder aufs Neue überdurchschnittliches zu hören.
Radiohead – Codex by mariocon

 

5. Real Estate – Days

Keine Band, die mich 2011 so sehr überrascht hat, wie Real Estate. “Green Aisles” habe ich auf einem der unzähligen Blogs gefunden, die ich täglich durchforste und sofort musste ich mich eingehender mit der Band aus Brookly befassen. Diese wunderbare Leichtigkeit, die von den Songs ausgeht hat ihren Ursprung in Songs aus den 70ern und doch habe ich so einen Sound noch nie vorher gehört. Die perfekte Musik zum Auto fahren, für Nachmittage auf Waldwegen und lauen Sommernächten! Für mich persönlich übrigens auch das schönste Album-Cover des letzten Jahres.
Real Estate – Green Aisles by DominoRecordCo

4. The Boxer Rebellion – The Cold Still

Eine Band, die von Album zu Album wächst und mit “The Cold Still” eine Platte gemacht hat, die man von vorne bis hinten durch hören kann, ohne auch nur einmal auf Skip zu drücken. Der wunderbare Opener “No Harm”oder “Caught By The Light”, dass sich fast schon Post-Rock mäßig aufbaut um am Ende zu explodieren. Jeder, der The Boxer Rebellion für eine Band hielt, die sich in jedem Song mühsam zum Refrain hangelt, wird hier definitiv eines besseren belehrt!
05 Caught By The Light by ThatEricAlper

3. Tom Waits – Bad As Me

Zugegeben, Platten von Tom Waits hört man nicht einfach so nebenher. Man hört sie auch selten zum Stimmungsaufhellen, oder als musikalische Untermalungen bei geselligen Abenden. Tom Waits Alben sind für Liebhaber musikalische Meilensteine und für die Anderen einfach nur Krach. Dieses Album ist Sehnsucht, Wut, Hass, Zärtlichkeit und kein Mensch auf der Welt kann all diese Gefühle besser zum Ausdruck bringen, als Tom Waits. Der schönste Moment in diesem Jahr? An Silvester mit meiner Freundin auf Fehmarn ganz alleine an der Küste stehen, das 4km entfernte Feuerwerk beobachten und dabei Tom Waits’ “New Years Eve” hören. Der Beste Song zur besten Stimmung, zum besten Moment!
Tom Waits – New Years Eve - by Skiva Promotion

2. Feist – Metals

Von Feist hätte ich alles erwartet, aber nicht dieses Album. Produziert vom wunderbaren Gonzalez verliert sich die gute Leslie diesmal nicht in unendlichen, meist recht langweiligen drei Minuten gehauchten Songs, sondern zeigt im Rahmen ihrer Möglichkeiten, ziemlich dicke Eier! Zugegeben, “How Come You Never Go There” und die komplette Promo im Vorfeld des neuen Albums hab ich komplett mit Missachtung gestraft und Yeah! Ich wurde mehr als überrascht!
How Come You Never Go There by Feist

1. Black Keys – El Camino

Tadaaa! Ein Album, dass meine komplette Top 10 über den Haufen geworfen hat. Beim ersten hören, wäre es noch irgendwo in der Mitte gelandet, mittlerweile ist es definitiv DAS Album des Jahres! Jeder einzelne Song ist auf seine Art und Weise so wunderbar, dass ich komplette Din A4 Seiten voll schreiben könnte. “Lonely Boy”, dass als eines der wenigen Songs überhaupt ein inhaltsloses “woohohohoo” benutzen darf, “Little Black Submarines”, dass mir bei hoher Lautstärke Gänsehaut beschert, wie schon lange kein Song mehr. Ja, ich hab die Black Keys für tot gehalten. Mit El Camino haben sie sich selbst übertroffen!
Black Keys – El Camino by Budz1179

 

 

 

Dann wären da noch Künstler, die es entweder nur ganz knapp nicht in die Top 10 geschafft haben, oder mich völlig enttäuscht haben. Dazu zählt auf jeden Fall Laura Marling, die mit ihrem “A Creature I Don’t Know” einen Pop-Folk Weg eingeschlagen hat, den ich bitte als Ausrutscher abhaken möchte.
Oder Bon Iver, der zwar kein richtig, richtig mieses Album abgeliefert hat, den aber seine Ausflüge ins Reich des Plastik Rap von Kanye West nicht sonderlich gut getan haben. Ich mein “Beth/Rest” Alter! Was ist das für ein Song?
Positiv zu erwähnen wären da noch Desertshore, die sich für ihr zweites Album Mark Kozelek mit ins Boot geholt und mich mit ein wenig verwirrung zurück gelassen haben. Es ist irgendwie weder Fisch noch Fleisch. Kein Mark Kozelek Album aber eben auch kein schönes Desertshore Instrumental Album.

 

 

Und hier noch die für mich besten Songs des Jahres! Ein paar Künstler aus den Album Top 10 finden sich doch wieder, aber es sind auch noch ein Paar andere Perlen dabei.

10. Sun Airway – Wild Palms

9. Desertshore – Randy Quaid

8. Jono McCleery – Tomorrow

7. The Boxer Rebellion – Caught By The Light

6. Civil Civic – Less Unless

5. Feist – Graveyard

4. Tom Waits – Hell Broke Luce

3. The Black Keys – Little Black Submarines

2. Real Estate – Green Aisles

1. Feist – The Bad In Each Other

Puh! Ja und damit haben wir’s dann auch! Ich hoffe ihr seht über die Formatierungsfehler, die Abstände und dergleichen hinweg. Ich hab jetzt die Schnautze voll :)