Ich erinnere mich, wie ich im Februar 2007 Sonntag- morgens um kurz nach Fünf im Bus saß, um zur Arbeit zu fahren. Ich erinnere mich deshalb daran, weil ich an diesem Morgen das erste mal jemanden dabei beobachtete, wie er Pfandflaschen aus einem Müllcontainer sammelte.
Der Bus in dieser Kleinstadt hielt immer für ein paar Minuten am Südbahnhof und das einzige, dass man dort um diese Uhrzeit normalerweise beobachten konnte, waren besoffene Studenten, fummelnde Pärchen. Eben das, was die Nacht so übrig lässt und was sich so fremd und ewig weit weg anfühlt, wenn man auf dem Weg zur Arbeit ist.

Irgendein depressiv verstimmter Künstler mit Akustik Gitarre sang mir ins Ohr, als ich ihn erblickte. Er hatte einen von diesen Plastik- Greifarmen, mit denen immobile Menschen an Dinge kommen, die unerreichbar sind, obwohl sie vielleicht nur nen halben Meter entfernt sind. Mein Opa hatte so einen, nachdem sie ihm die Beine amputierten.

Ich schaute ihm also dabei zu, wie er mit diesem Greifarm die leeren Flaschen aus dem Container fischte. Einen leeren Cola- Kasten hatte er dabei, damit er tiefer hinein kam und ich weiß noch, wie entsetzt ich war und dass ich mit dem Kopf schüttelte, weil ich ein solches Elend in diesem Land nicht für möglich gehalten hatte.

Knapp fünf Jahre später sind sie überall. Sie haben abgesteckte Territorien und lauern am Wochenende an vielen Ecken, um von mobilen Trinkern Leergut entgegenzunehmen. Bei Pearl Jam in der Wuhlheide vor zwei Jahren war dort ein Grüppchen von Rentnern, die in einer Gruppe sämtliches Leergut sammelten, bis sie schließlich 4 große Einkaufswagen voll hatten. Getrennt nach PET, 8- 15- und 25 Cent Flaschen.

Wie gönnerhaft ich mir die ersten paar mal vorkam, als ich vor Kneipen einem der Leergutsammler eine Flasche in die Hand drückte. “Hier nimm! Ich habs nich nötig diesen Müll zurück zu bringen und versaufe jetzt mindestens das Doppelte von dem, was du heute Abend an Leergut sammelst”. Ich hab das weder gesagt, noch käme mir in den Sinn, so etwas überhaupt zu denken, aber ich kam mir so vor. Menschen leben von dem, was ich wegschmeißen würde.

Und eben sehe ich dieses Video und denke mir “Hey, gute Idee” und dann fällt mir wieder ein, dass wir hier in Deutschland leben und dass es pervers ist, dass es hier Menschen gibt (und nicht zu wenig) die Nacht für Nacht durch die Straßen laufen, um sich zu dem wenigen, dass sie zum Leben haben, mit Leergut ein paar Euro dazu verdienen und dass es mindestens ein genauso großer Skandal ist, dass ich diesen “Pfandring” für ne gute Sache halte, damit diese Menschen nicht zusätzlich noch im Müll wühlen müssen!