Vorgestellt hatte ich ihn letzte Woche und seit dem lief das Album “Millfoil” hier in der Dauerschleife.

Das erste was auffällt: Die in den Videos so unglaublich starke und gleichzeitig labile Stimme bekommt man auf dem Album ausschließlich gedoubled zu hören (ich kenn den Fachausdruck nich, aber ihr wisst schon, was ich meine) Das nimmt dem Album zwar im ersten Moment extrem viel von der Stimmung, die durch die Songs aus den Videos aufgebaut wird, man muss das Album und die Videos allerdings aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

“Millfoil” ist nämlich eigentlich schon zwei Jahre alt, wurde von dem Label Butterfly Collectors durch Zufall auf Soundcloud entdeckt und nun eben remastered wieder veröffentlicht. Was sich in zwei Jahren am Gesang und Gitarrenspiel dieses jungen Mannes verändert und verbessert hat, zeigen die “Church Sessions” und lassen mich mit großer Spannung auf das Blicken, was da noch kommen mag.

Bleiben wir bei Nigel Wright, dem Gitarristen. Ich sehe das in etwa so vor mir: Ein Meer von ungewaschenen, langbärtigen Gitarristen schwimmt vor mir, die starken, mit den Gibson Gitarren aus den 40ern, die strecken mir ihre ihre Ärmchen entgegen. Immer mit den Rufen “Ich mach so nen reduzierten Folk, sogar das Lagerfeuer war aus”. Die ewig gleichen Akkorde, die ewig gleichen Zupfmuster, hier ne Geige, da n Banjo. Folk im Jahre 2012 langweilt mich. Gewitter im Hintergrund, abgewetzte Guild Gitarren und irgendwo sitzt der kleine, zerbrechliche Nigel Wright und stimmt seine Gitarre um.

Nirgendwo auf diesem Album wirst du irgend ein strumming, irgend eine Akkordfolge hören und dir denken “Das gabs doch bei William Fitzsimmons schon”. So viele Songs fangen so monoton, so depressiv an und selbst wenn zwei Minuten fast schon apathisch das gleiche gespielt wird, am Ende explodiert der Song, oder es gibt klitzekleine Nuancen die in mir ne Gänsehaut hervorrufen. Emotionen die von einem Solo-Gitarristen selten in mir geweckt werden.

So düster, ohne einen zum Strick greifen zu lassen, so verspielt, dass man manchmal eher den Eindruck hat, gerade einer Compilation zu lauschen, als dem Debüt eines einzigen Künstlers, so wunderbar erfrischend ist “Millfoil”!

“Millfoil” erscheint am 30.03 auf Butterfly Collectors und kann auf der Label-Page komplett angehört werden, was ich JEDEM interessierten ans Herz lege.