Flo: Die ersten zwei Minuten des Openers “Animal Life” waren so vielversprechend. Doch dann dieses Drumming. Dieses Drumming, für das ich Bands wie “Arcade Fire” hasse. Wie heißt diesr Takt? Du bist doch Musiktheoretiker. Ich kann noch nicht mal genau sagen warum, aber es wird mich auf diesem Album noch so manches mal erwarten.

Lukas: Als Musiktheoretiker würd ich sagen, das ist der “Affentakt”, höhö. Aber ja, die ersten zwei Minuten legen eine falsche Fährte. Springt man zu Minute 2:35 hört man ja wirklich diesen Radiosound alá Snow Patrol. Am Opener darf man das Album aber nicht messen. Besser schon an “Pushing the River” oder “Run the Banner down”.

F: Brrrrr!! Ganz ruhig! Nich so voreilig vom ersten zu den letzten Songs springen. Da kommen wir noch früh genug hin.
Breaking The Yearlings” bester Song auf der Platte und zu Recht Singleauskopplung.
Ich steh auf dieses 80er Feeling der Stimme, kombiniert mit dem Indie-Sound der nuller-Jahre.
Der zweistimmige Gesang am Ende baut eine Spannung auf, die im Laufe des Albums ins Bodenlose fällt

L: Stimmt wohl. 80er und Arcade Fire also. Aber auch hier wie an vielen anderen Stellen des Albums hör ich so eine künstlich eingebaute Pose der Ehrhabenheit.
Mein heimlicher Album-Favorit ist ja aber “Dread Sovereign“. Denn da hält die Band den Arrangement-Ball so flach, wie es dem dominierenden Mönchsgesang überhaupt nur angemessen ist.
Ist “Animal Joy” nicht eigentlich furchtbar konservativ? Insbesondere was das einzige echte Wiedererkennungsmerkmal des Albums – den Gesang – betrifft?

F: Naja, wenn man Musik so betrachtet, dürfte es ja theoretisch seit Anfang der Nuller-Jahre verboten sein, überhaupt Musik zu machen. Die einen kopieren die Anderen. Das eine Jahrzehnt gleicht dem nächsten. Die Jugend hat bisher in sämtlichen Ausdrucksmöglichkeiten seine Stimme gefunden.
Ich steh auf den Refrain bei “Dread Sovereign”, allerdings könnte es auch daran liegen, dass der Song an sich so langweilig ist, dass er ansonsten keinerlei Wiedererkennungswert hat.
Merkste was bei “You As You Were“? Da hat Jonathan Meiburg ein nettes Süppchen aus Indie-Rock Zutaten gekocht. Lass mich aus dem Fenster hängen und es Indie-Rock Klischees nennen. Dieses Drumming, dieses Piano, dieses
“I am leaving the life
I am leaving the life
I am leaving the life”
NEXT!

L: Zwar gleicht kein Jahrzehnt dem nächsten, aber auf diesem Album ein Song oft dem anderen. Indie-Konsensplatte des März 2012? Oder nur knuddelig gemeinter Betrugsversuch?
Dass “Insolence” übrigens das längste Stück des Albums ist, ist so dermaßen fehlkalkuliert! Alle anderen Stücke fühlen sich in die Kürze manipuliert an. Dieses schleppende Ungetüm ist da anstrengender Ballast, wo manch ein Balon hätte aufsteigen können. “I am not leaving earth. I am not leaving earth. I am not leaving earth…..!”

F: Das find ich lustig und zeigt einmal mehr, wie subjektiv Album-Reviews eigentlich sind, denn “Insolence” ist mein persönliches Highlight auf dem Album! Klar, der Komplette Anfang des Tracks is nur Mittel zum Zweck, aber das explodierende Ende, die sich überschlagende Stimme…das hat schon Gänsehaut bei mir hervorgerufen.
Immaculate” ist Interpol in gut gelaunt? Ich versteh selbst nich, warum ich bei diesem Album andauernd an Interpol denken muss. Vielleicht liegts auch einfach nur am “Our Love To Admire” artigen Artwork?
Ja, Anfang 20 jährige Lehramtsstudentinnen stehen auf so was.

L: Interpol auf gut gelaunt, hehe, auf jeden Fall!
Mit Track 7 “Open your Houses (Basilisk)” wieder so ein lädiertes 80er Museumstier. An dem gingen mal Talk Talk vorbei und wunderten sich darüber, wie merkwürdig ausgestopft es aussieht. Bring back Stirnlappenbasilisk!

F: Womit wir nun bei deinen Lieblings-Tracks wären, die ich mir nun noch mal intensiver angehört hab. Ich kann nich anders, es tut mir leid, aber bei “Run The Banner Down” schlafen mir die Füße ein. Das quasi-Instrumental am Ende ist gut, aber auch schon wieder vorbei, wenn man sich gerade daran gewöhnt hat.
Pushing The River” allerdings hat ziemlich zugelegt. Zuerst als Durchschnitt verachtet, gehört er jetzt definitiv zu den Besten. Vielleicht liegt es daran,dass es gegen Ende noch mal voran geht, dass der Track nicht im seichten 80er Pop Gewässer ertrinkt, sondern, nicht zuletzt durch seinen überraschenden Wiedereinstieg bei 3:30, ganz schön Feuer unterm Arsch macht.

L: “Pushing the River” ist die Dönerbox unter den Albumtracks: Halb Fleisch, halb Kartoffel. Damit’s auch ja jedem schmeckt! Könnte aber auch zur Völkerverständigung beitragen. Indie-Salz + Pfeffer-Pop = One World.
Believing makes it easy” to skip this Track. Die Zeile “Let the silence make it easy” spricht auch für den Lückenfüller-Charakter dieses vorletzten Titels. Bereit für dein Ein-Satz-Fazit?

F: Animal Joy ist für Leute, die Depeche Mode schon ein paar Mal live gesehen haben, die im derzeitigen 80er Revival nach etwas gewohntem suchen und denen auch beim Thema Songwriting Jeans-Westen näher sind, als Lederjacken.

L: Shearwaters Animal Joy liegt für mich letztlich irgendwo zwischen Musik für arrivierte Trüffelexperten und Gesprächsstoff für Leute die mal Trüffelexperten werden wollen. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass mir Trüffel nicht schmeckt?