Kennst du das? Du gehst auf eine Eingangstür zu, an der “Ziehen” steht, und natürlich drückst du erst mal. So oder so ähnlich ging es mir auch bei dem Debüt von Alabama Shakes. Ich drückte und drückte, obwohl auf dem Album ganz klar „ziehen“ steht. Dr. Freud würde vielleicht sagen, man wolle diesen Ort nicht so wirklich betreten, weil sich irgendetwas in einem dagegen sträubt. Bedenkt man aber, dass ich ein großer Freund der Single „Hold On“ war, klingt diese Interpretation paradox.
Wer macht hier also was falsch? Alabama Shakes, dass sie in selbstgefälliger und gelangweilter Pose so erschreckend wenig Neues in ihrem US-Retrosound anzubieten haben? Oder ich, wenn ich die Kids eben nicht einfach mal mit den alten Förmchen spielen lassen will?
Alabama Shakes selbst jedenfalls treten mit „Boys & Girls“ offene Türen ein. Egal, ob da am Eingang Joplin oder Zepplin stand. Nur lässt das ihren Auftritt etwas daneben bis putzig erscheinen und alle vorherigen Erwartungen ans Album blank enttäuscht zurück. Auch liegt die Vermutung nah, dass dieses Album ohne derzeit erfolgreiche Vertreter wie The Black Keys (Retro-Garagen) oder Michael Kiwanuka (Garagen-Soul) überhaupt gar nicht so prominent an die Oberfläche steigen würde. Und was sagte das noch gleich über unsere Zeit aus?
Alabama Shakes haben die Tricks drauf, wie die Frontfrau singen muss, damit sie einem eine Gänsehaut verpasst. Und sie wissen auch, welcher Gitarrenverzerrer wann am wohligsten wärmt. Aber wissen sie auch, dass diese Tricks nicht elf mal pro Show funktionieren?