Zur Vorbereitung auf dieses Album kann man viel versuchen. Zum Beispiel nochmal “At the Drive In” hören oder mit bunten Murmeln spielen gehen. Ich aber hörte mir Tracks von The Minibosses an. Darunter befinden sich zum Beispiel die Themes des Nintendo Spiels Megaman 2. Zu hören gibt’s allerdings kein Midi-Gedudel, sondern Gitarre, Bass und Schlagzeug, die die “Level Select”-, “Start”- oder “Airman”-Theme neu interpretieren. How nerdy can you get?
Danach also das Zweitwerk von You Slut! “Medium Bastard” (welch grandioser Albumname!). Nicht halb so rau gemischt wie ihr 2007er Debüt “critical meat” aber vielleicht doppelt so verzahnt schlagen die Briten musikalische Haken ohne dabei sonderlich prätentiös zu klingen. Eher verspielt und, hmm, gemein! Ja, ein gemeines skeletternes Mathcore-Album! Zwischen meinen Favoriten “Elton Chong”, “Hiya Higher Hire” und “Plural Sex” gibt’s dann aber noch so viel mehr zu hören, dass einem dafür die passenden Gelegenheiten auszugehen scheinen. Ein gutes Zeichen?
Aber geht man nun zurück zum Thema Midi-Gedudel, scheint es fast, als wäre nach Jahren der Genre-Häutungen und Band-Kapriolen endlich klar, dass eine gewisse Posthardcore-Musikergeneration ihre musikalische Früherziehung an den alten Spielkonsolen genoss. Und dies musste unwillkürlich Auswirkungen auf ihr eigenes musikalisches Schaffen haben. Denn neben Struktur und Präzision haben frühe Nintendo Soundtracks und heutige progressive Math-Alben noch etwas gemeinsam: beide klingen am Anfang immer, als kämen sie aus der Zukunft.
Mit dem Spiele-Schwierigkeitsgrad „Medium“ war übrigens früher schon kein Blumentopf zu gewinnen. Aber so wissen wir, dass You Slut! das nächste Mal im Hard-Modus starten werden. Das ist ein gutes Zeichen! Ab 14. Mai erhältlich.