Erstaunlich wenig los ist hier, als wir mit leichter Verspätung auf Kampnagel eintreffen. Überhaupt war ich noch nie zu spät auf einem Konzert. Der Luxus, wenn die Location sich an dem Ort befindet, in dem man wohnt.
Es gibt nur Beck’s hier, was mich dieses Ding hier schon so manches mal hat verfluchen lassen. Aber es läuft.

Megafaun, mir erst bekannt durch die Ankündigung, dass sie mit Damien Jurado spielen betreten um kurz nach Zehn die Bühne und was dann kommt wird meine Sicht auf Vorbands grundlegend ändern.

Extrem tight, extrem spielfreudig, extrem sympathisch. Bei Megafaun hat man in der kompletten Zeit das Gefühl, Teil einer ewig langen Jam- Session zu sein, bei der neue Songs entstehen. Phil Cook an der Hammond- Orgel, Banjo und Mundharmonika wirkt wie ein aufgekratzter Junge und man merkt in jeder Sekunde, dass die Jungs richtig Spaß an dem haben, was sie da oben machen.

Die Megafaun, die man hier sieht, darf man allerdings nicht mit den Megafaun auf den Alben verwechseln. Zwar haben auch diese einen immer hörbaren Jam Charakter, aber irgendwie schaffen sie es, jeden Song druckvoller und intensiver klingen zu lassen, als auf Platte. Mein Lieblingssong “Real Slow” wird zu einer minutenlangen Session und bildet den Abschluss einer Show, die so wunderbar war, dass der Hauptact es schwer haben wird, da noch einen drauf zu setzen. Große Worte!

Nach kurzer Pause, die einen noch denken lässt, Damien Jurado würde wieder mit Band auftreten, da sich am Aufbau der Bühne wenig ändert, kommt er auf die Bühne. Allein, mit ausgebeulten Jeans, einer Fender Akustik- Gitarre und lediglich einem Strahler auf ihn gerichtet.
Er sagt im kompletten Set kein Wort, kein Blick ins Publikum, spielt er seine Songs mit routinierter Perfektion. “Sheets”, “Arkansas”, “Harbor View”, eine Setlist, die mich kaum glücklicher machen kann und dann stöpselt er seine Gitarre aus, tritt ans Mikrofon und erklärt dem andächtig stillen Publikum (bis auf einzelne Ausnahmen), dass er hier auf der Bühne eine Rolle spielt, die er spielen muss, um all diese wunderbaren Songs in der Stimmung zu performen, wie sie gedacht sind. Düster, depressiv, ohne Glauben an irgendeine Besserung. Denn eigentlich, so sagt er, geht es ihm sehr gut. Er ist guter Dinge, wird bald Vater. Natürlich lässt sich diese Stimmung nicht mit Songs vereinbaren, die von Verlust und Trauer handeln und dafür bin ich ihm dankbar. Keine Kontraste, die die Songs zu gewollt erscheinen lassen. Die Rolle des einsamen, traurigen Songwriters steht ihm am besten.
Und so spielt er eine Handvoll Songs ohne Verstärkung, ohne Hall- Effekt auf der Stimme direkt am Bühnenrand und verschafft dem ohnehin perfekten Abend zum Schluss noch eine Lagerfeuerartige Stimmung, die mit “Let Us All In”, dem wohl “glücklichsten” Song seiner Karriere, grandios gekrönt wird. Für den letzten Song holt er noch einmal die Jungs von Megafaun auf die Bühne und wieder hat man den Eindruck, dass sich diese Leute gerade zum ersten Mal treffen um ein bisschen zu jammen und zu schauen, was daraus entsteht.