Pitchfork.com hat ein Problem mit den Two Gallants. Das war schon klar, als Pf-Kritiker Brian Howe das bis heute bedeutendste Two Gallants Album „What the Toll tells“ 2006 mit einer beschämenden 4.8 abstrafte, sich der Rest der Indie Community aber die Zungen blutig leckte an Songs wie „Waves Of Grain“ oder „Steady Rollin’“.
Nach fünfjähriger Two Gallants Pause, Adam Stephens’ (Gesang/Gitarre) recht vergeblichen Solo Projekts und Tyson Vogels (Percussion/Gesang) untergegangenen Devotionals Projekts nun also eine Art Two Gallants Comeback Album. (Pitchforks Rezension von “The Bloom and the Blight” sollte man übrigens auch diesmal augenrollend ignorieren.)
Kenner des Two Gallants Oeuvre merken schnell, dass auf dem neuen Album irgendjemand an irgendeiner Uhr gedreht hat. War Pate eines jeden Two Gallants Albums bisher das 19th Century American Songbook, so wird dieses nun verquickt mit dem 90s Westcoast Postpunksounds. Zurück Indie Zukunft.
Natürlich bleiben die markanten Eigenheiten der Band auf “The Bloom and the Blight” erhalten. Vogels nervöses beinahe-Jazz-Drumming und Stephens nervöses beinahe-Banjo-Gezupfe. Beides aber eben verlängert um eine prägnante, ja gesunde beinahe-Punk-Attitüde. Klingt merkwürdig, ist aber so.
Es ist ein Beinahe-Album geworden. Beinahe die „guten alten“ Two Gallants, und beinahe schon die neuen Two Gallants. Irgendwie das Empire Strikes Back der Bandgeschichte. Früher schüchtern, ja geradezu zart in fast allen Belangen zeigen die Beiden heute ihr anderes, wahres? Gesicht. Ein Gesicht, das Türen mit Blicken zuschlägt. Man höre nur das unfassbare „My Love won’t wait“ , welches erst dann im verstimmten Klavier mündet, wenn Stephens’ herum gestoßene Stimme den Glauben an das Falsett wirklich ganz verloren hat … oder man achte auf das unglaublich intuitiv-brutale Timing des mittleren Gitarrensolos in „Halcyon Days“.
Die Two Gallants holen mit „The Bloom and the Blight“ das nach, was sie auf ihrem Debüt „The Throes“ schon verpassten zu tun: Raketenreiten. Unfassbar gutes Raketenreiten. Beinahe.

Wertung (1-5):

Einen vollen Albumstream gibts hier.