Ich fand es irgendwie schade, dass es mir diesen Sommer nicht gelang, hier eine Rezension zum letzten Crocodiles Album („Endless Flowers“) zu bringen. Schade nicht nur, weil ich es für ein mittelmäßiges Album einer Ex-Kalifornier-Jetzt-Berliner Band auf dem absteigenden Ast hielt und ich das die Welt wissen lassen wollte. Schade vor allem auch, weil man auf „Endless Flowers“ das wahrscheinlich peinlichste Songintro des Indie-Sommers 2012 finden konnte. Wer mir Recht geben will, solle doch bitte mal „My Surfing Lucifer“ in der Albumversion hören und sich darüber amüsieren, wie sehr man als Band im arty (das neue „abgehoben“) Berlin eben auch verarscht werden kann …
Will sich die irische Rockgruppe House Of Dolls mit Debüt „Welcome To The Department Of Nuclear Medicine” selbst gern beeinflusst wissen von Queens of The Stone Age, Black Rebel Motorcycle Club oder gar A Place To Bury Strangers, ist das erst mal nicht unlogisch aber dann doch wieder merkwürdig: denn wann hört man von einem ernstzunehmenden Newcomer, der der Journaille aufdröselt, was gefälligst als Referenzen zu gelten hat? Ich nämlich musste zuerst an diese Crocodiles denken. Ob das nun an der verpassten Rezension lag, ist fast egal. Man darf sich beide nämlich schon irgendwie in einer Reihe vorstellen. Und ich weiß nicht, was genau mich da geritten hat, aber ich fand es logisch eine kleine Grafik zu „entwickeln“, die diese Verbindung darstellt und gar einen dritten Player ins Spiel bringt: Moon Duo.
Was sehen wir also: Setzt man sich in ein kleines gebrauchtes Raumschiff und startet auf einer gewissen Route Richtung Erde, kommt man auf kürzestem Weg eben an diesen drei Stationen vorbei (vgl. Pfeilrichtung). So. Was man von dieser Grafik nun hat? Nicht viel, außer aber der Konnotation, dass die Anziehungskraft der Erde bekanntermaßen belastet.
Auf dem Cover des Albums ist eine Installation des Künstlers Kasper Sonne abgebildet („Four Letter Words“, 2006). Es sind Wortkaskaden in leuchtender Neonröhrenschrift: SELF KILL HELP SUCK COCK LOVE PAIN DEAD TRUE HELL SHIT FEAR FUCK DUMB LIFE MIND SOUL LOST HATE EVIL GOOD CUNT HOPE. Damit sei das ganze Leben abgedeckt, will man meinen, bis auffällt, dass ein Four Letter Word in dieser (oh oh) arty Post-Humanismus-Tagcloud zu fehlen scheint: Home. Dabei sollte Home doch allein geografisch (vgl. links) ganz nah dran sein an diesem „House Of Dolls“?! Es fällt aber schwer, in diesen Songs ein richtiges Zuhause zu finden – kein Lieblingssessel, kein Gewürzschränkchen. Alles halt recht straßentauglich, shoegazig, leicht drogig, breitbeinig, volljährig, ja. Aber eben nie so ganz hier.
Und so verhält es sich mit diesem Debüt, wie mit so manchen Neonleuchtreklamen: sie fallen erst wirklich auf, wenn sie kaputt in die Nacht flackern. Am House Of Dolls aber leuchtet noch alles, wie es soll. Und das ist ein Problem. Ein bisschen mehr Belastung täte hier sicher gut. Aber schließlich haben die Crocodiles das auch nicht drauf. Was bleibt? Circles.

Wertung: (1 – 5)

“Welcome To The Department Of Nuclear Medicine” ist ab Freitag erhältlich.