Oh Boy, über diese Filmkomödie lässt sich viel sagen. Daher nur das Wichtigste. In “Sons Of Norway” (R: Jens Lien, 2011) passiert zu erst einmal dies: der kleine norwegische Nikolaj entdeckt ’77 die elektrische Gitarre, einen ersten Akkord, Johnny Rotten und das Toben. Dann stirbt seine Hippie-Über-Mutter, weil die nachts durch ein Auto von ihren Rad geholt wird (keine Rückleuchte), weswegen dann der kleine Nikolaj auf seinen noch schlimmeren Hippievater Magnus angewiesen ist. Oder auch nicht. Eigentlich nämlich muss Nikolaj sich nun um den geknickten Vati kümmern und macht nebenbei mit dem Toben weiter: er schwänzt die Schule, spuckt in der Obstabteilung aufs Obst, lernt in seiner neuen Band einen zweiten Akkord, erschreckt Pferde, wirft seinem Schuldirektor eine Flasche Lightbier an den Kopf und soll sich für all das auch noch schämen. Nicht aber bevor Hippievater Magnus für seinen rebellischen Kleinen einspringt und in seiner ewigen Hippiemanier den Jungen in allem zu verstehen versucht. Bis einer weint…

Während all dem laufen vornehmlich die Sex Pistols im Hintergrund was wohl unausweichlich dazu führen muss, dass der echte, alte, dicke Johnny Rotten aka Punk König der Löwen ganz zum Schluss des Films einen kleinen Auftritt bekommt, sozusagen als Beichtvater der Realität, die endgültige moralische Instanz dieser norwegischen Geschichte, die ohne Rotten selbst wohl paradoxerweise blutarm gewirkt hätte. (Von Rottens gefühlten 10 Sätzen dieser späten Szene bleibt dann aber nur einer wirklich hängen. Und ja, man kann sich ihn fast denken …).
Zum einen ist Sons Of Norway eine ganz fast unverblümte Lobpreisung des “Leben und Wirkens des Johnny Rotten” (von real existierenden norwegischen Punkbands erfährt man daher nichts). Und zum anderen ist der Film eine neue Stilblüte jener Verniedlichung des Punks, die der Punk eben auch verdient. Denn natürlich passt der Punk in das Format der Komödie, wahrscheinlich tat er das schon 1977. Der Film könnte also anders abgekürzt auch so beschrieben werden: der schrullige Hippie Magnus trifft auf Rotten Kopisten Nikolaj. Man reibt sich liebevoll aneinander, weswegen schon mal witzige Situationen entstehen, die die Kontraste beider Subkulturen aufzeigen und die Vater-Sohn Abenteuerstory vorantreiben. Pretty vacant?

König der Löwen inkl. Krone

An einer Stelle lüftet der Film dann aber wirklich sein Röckchen: als Nikolaj im Krankenhaus landet und seine bösen menschheitsverachtenden Punk Freunde ihn zusammen mit seinem Pappi besuchen kommen, da entlarven sie sich damit als die, die sie doch in Wirklichkeit nur sind: verkappt artige Kinder eben. Produkte des Malcolm Mclaren oder wie auch immer eine andere gängige Interpretation heute lautet. Wäre Mclaren nicht schon tot, man müsste fast glauben, er würde auch an diesem Film mitverdienen.
Leicht ließe sich ohnehin immer wieder mit dem simplen Mantra der Provokation und der damit bald einhergehen Ironie argumentieren. Allein der Filmtitel ist ja schon so zu lesen. Und wenn es den Filmemachern (insbesondere Drehbuchautor Nikolaj (!) Frobenius) darum gehen sollte, abzurechnen mit dem Punk, so ist es ihnen kantholzmäßig gelungen. Was dann aber wirklich norwegisch an dieser Geschichte sein soll, ist mir trotzdem nicht aufgegangen … oder Stop, war das jetzt wieder beabsichtigte Provokation?

“Liebe Punker, zeigt wie schlau ihr seid. Rotz! Rotz! Rotz!”

Die einzig eindeutige Provokation dieses Films ist dann wohl eher einem Zufall der Geschichte “zu verdanken”. Sons Of Norway lief in Norwegen nur knapp einen Monat nach den Anschlägen des Anders Behring Breivik im Kino an. So erhielt und erhält der Filmtitel den bitterbösen Beigeschmack, der ihn dann doch zum Punk machen könnte. Verkaufsfördernd aber ist das auch wieder nicht…
Die DVD enthält ein Making Of, Deleted Scenes, ein Johnny Rotten Interview (8min) und ein Behind the Scenes Feature. Alles in allem also eine gewohnte Alamode Film DVD.
Letztlich also rate ich einfach allen, die ihrem/ihrer kleinen Bruder/Schwester (max. 16 J) als Weihnachtsgeschenk einen Funken Punk vermitteln wollen, diesen Film in Erwägung zu ziehen. Ab diesem Freitag im Handel.

Wertung von 10:
6von10-klein