Früher gab es nur einen echten Rockarbeiter. Und der hieß Henry Rollins. Heute aber in Zeiten der permanenten Genre-Versöhnungen ist „Rockarbeiter“ ein längst verwaschener Kampfbegriff, eher peinlicher Mythos, der nur noch leicht runtergebrochen werden kann: Rockarbeiter heute, das sind die, die wirklich körperliche Arbeit arbeiten. Roadies.
Regisseur Olaf Held stellte 2011 die wahrscheinlich erste Doku über (deutsche) Roadies auf die Beine. Und daraus wurde ein 80minütiger seltsam unrockiger Streifschuss an der Herzgegend eines jeden Rockers. Dort, wo man sich irgendwann die wirklichen Rockfragen stellt: wie steht man als „rockender Kistenschlepper“ da, wenn man die eigenen Dreißiger durchlaufen hat und merkt, man ist ja doch nicht Lemmy?
Im Grunde ist „Roadcrew“ ein coming of age Film, in dem der Beruf Roadie erst mal etwas ist, wo man nur so rein stolpert, sich dann darin über viele Jahre wund stapft, bis dann die Beziehung zu den Partnerinnen und Freunden zu etwas wird, aus dem man raus gestolpert wird. Viel Jungskram, viel Hotelzimmer kaputt haun, viel schleppen, viel planen, viel aufbauen und am Ende alles wieder abbauen. Alles wieder weg, einpacken und weiter fahren. Ausfahrt trotzdem verpasst.

„Ohne unsere Crew wäre das alles nicht möglich. Danke!“ Tausend mal gehört. Na und? Ich geh ja nicht zu einem Ärzte Konzert, um mir anzusehen, wie toll stabil diese Bühne schon wieder aufgebaut wurde. Und es ist doch so: man kriegt von den Roadies oft nur mit, wie sie ewig lange Mikros testen, während des Konzerts buckelig zum Schlagzeug rennen und irgendeine Schraube nachziehen oder wie der Lichtchef bei einer Danksagung an „die Technik“ kurz mal mit dem Bühnenlicht rum flackert. Echt toll.
Opferbereitschaft, Loyalität und Jugend. Das sind wohl die Einstellungsmerkmale eines Roadies. Wie im Militär übrigens. Eine böse Ironie, dass sich die Männer der im Film porträtierten Roadcrew „Das Dreckige Dutzend“ hauptsächlich aus der linken DDR Szene der Wendezeit speist, wo der Kasernenhofton als verpönt galt.
Aber so sind sie heute Soldaten, die keine Tränen vergießen. Und auch wenn jeder der im Film hervorgehobenen Roadies alles ein bisschen bereut, jede Kiste und jede Schramme, jeden Kater und jede zerbrochene Fernbeziehung: nein, bis zur letzten Filmminute keine Träne. Vielleicht macht es ja doch was mit dem eigenen Stolz, „Rockstar Entourage“ zu sein.

Die Roadcrew DVD (leider ganz ohne Bonusmaterial, dafür mit englischen Untertiteln) ist seit September erhältlich.

Wertung von 10:
7von10 klein