Helge Schneider ist heute ja eigentlich eher ein Schlaffo. Nicht so schlaff wie die EU, wie Casting Shows, Hipster Bashing oder 9gag. Eher so müde-durch. Aber immer noch schlaff genug, dass man ihm schon den Burn Out unterstellt, nur weil der Mann auf Tournee mal ne dicke Erkältung kriegt; ich wette, unter so manchen Kollegen wurde da 2011 schon beim Promi Empfang getuschelt: „Hast du gehört? Tour Abgesagt!“ „Naja, gegen Ende war der Helge aber auch wirklich nicht mehr so lustig, einfach ausgebrannt!“ Recht hatten sie! Irgendwie. Nun, man könnte heute sogar (wäre es nicht aus anderen Gründen total abwegig) fast so weit gehen, sich an Nina Ruge zu halten, die 1996 lehrte, wie man seiner Ablehnung gegen einen Künstler freien Lauf lässt. Ob die Ruge wohl beim neuen, lustlosen Format „Helge hat Zeit“ (WDR) merkwürdig schadenfroh auch an ihren eigenen Burn Out 1999 denken musste?
Zugegeben, die Neunziger waren nicht nur Schneiders bedeutendste Zeit. Es waren natürlich auch die Jahre, in denen die Nation gespalten war aufgrund diesen neuerlichen Angriffs auf den „gesunden Humor“. Der Lauf der Dinge sollte nun zeigen, dass man Schneider heute immer noch doof finden darf, macht er doch seit circa 25 Jahren den gleichen Witz zu Geld. Bloß: erst doof, dann gut und dann wieder doof darf man ihn dann doch nicht finden. Zurück geht da irgendwie nicht, hat sich die Mehrheitsgesellschaft eingetrichtert vorzugeben. Also von mir aus, bleibt halt dabei und findet den Schneider weiter toll oder weiter doof oder was weiß ich. Irgendwann aber kriegen ihn beide Lager wahrscheinlich als gänzlich schlaffe Pflaume auf einer letzten Tour präsentiert, komplett an Maultrommel und Panflöte improvisiert.

Kehren wir also zum alten Kanon zurück, mit dem man heute ja ausgestattet sein sollte: das halbe „Es gibt Reis, Baby“ Album, „Es rappelt im Karton“, die „00 Schneider“ Filme, vielleicht noch „Das kleine Arschloch“ und erfreulicherweise immer seltener aber doch: „Katzeklo“. Aber noch vor all diesem lag das Jahr 1992. Und auch das war schon ein gutes für Schneider. Sein herrliches Büchlein “Guten Tach, Auf Wiedersehen. Autobiographie Teil 1″ erscheint. Dazu das Album „Guten Tach“ und irgendwo dazwischen die Maxi CD „Weihnachten bei van den Bergs“. Diese genießt bei mir übrigens nicht im geringsten den Kultstatus, den ihr scheinbar manch andere zugestehen. Als eine Art „Dinner for One“ für Weihnachtsdadaisten vielleicht.
Ich hörte dieses Minihörspiel vor zwei Wochen zum ersten mal. Und was ich soll sagen? gefiel mir gut! Punkt. Es geht hauptsächlich um Unterhosen mit Schlitz. Tja, und was damals verquer witzig war, wird Schneider bald vielleicht zum realen Verhängnis. Manche wünschten sich das schon 1996. Aber wer hört schon auf die Ruge?

Neu aufgelegt wird „Weihnachten bei van den Bergs“ nun vom tacheles! Hörbuch Verlag. Und das ist trotz der Tatsache, dass 9,99€ für 13 Minuten Schneider Achtspurgerät Aufnahmen irgendwie gefühlte 2 Euro zu viel sind, für den einen oder anderen dann doch ein nettes Weihnachtsgeschenk.

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7von10 klein