Irgendwann gegen Ende von „Sound It Out“ wurde mir plötzlich klar: es kann kein Zufall sein, dass die akzeptable Besuchsdauer eines kleinen Plattenladens sich deckt mit der Dauer des Durchhörens eines Albums. Und dass der Trend hin zum Hören von gemischten Singles/Mp3 Files, die „Playlist Kultur“, wiederum der Länge des Besuchs bei Ketten wie Saturn oder Media Markt spiegelt. Irgendeine logische Verbindung muss es da doch geben. Alt gegen neu. Gemütlichkeit gegen Legebatterie. Nostalgie gegen Realität.
Denn wir wissen ja, wie es eigentlich ist. Der Record Store Day ist ein Kind der Verzweiflung. In Store Gigs sind Anekdoten des Selbsterhaltungstriebs. Und das eigentliche Sammeln von Musik passiert immer öfter auf Festplatten oder es wird schon gekonnt gestreamt.
Der kleine Plattenladen Sound It Out Records befindet sich in dem von Arbeitslosigkeit umarmten Städtchen Stockton-On-Tees, Nord England, welches etwa auf dem gleichen Breitengrad liegt wie Flensburg und ähnlich ignoriert scheint vom Rest des Landes. Es sei denn man gehört zu den Menschen Nord Englands, die über Leute mit dem „die Charts rauf und runter“-Musikgeschmack abfällig die Augen rollen und deswegen auf den tatsächlich letzten unabhängigen Plattenladen weit und breit angewiesen sind.

Bei Shane zuhause.

Bei Shane zuhause.

Menschen wie Shane z.B., der den Wunsch nach einem Sarg aus seiner eingeschmolzenen Status Quo Plattensammlung im Testament niederschreibt. Metal-Kids wie Gareth, der sich nach mehreren Selbstmordversuchen nur noch an der Musik festhält. Oder Typen wie Frankey oder DJ Dick, die, statt trostloser Kleinkriminalität zu verfallen, sich ihre Dosis Mákina-Technoplatten im Sound It Out abholen.
Ja es ist eine Sucht und Tom, der Betreiber von Sound It Out Records, ist der Dealer. Wer selbst schon mal Platten oder CDs gesammelt hat kennt das. Man sammelt und sammelt, und ohne es sich eingestehen zu können, arbeitet man (wie mit jeder Sammlung) an einem utopischen Museum der Papphüllen und gebannten Sounds. Genauso gut könnte man alle Platten gleich im Laden lassen und ihn als das Betrachten, was er heute viel mehr als jemals zuvor eben ist: als Museum.
Anders als in der heute gängigen Erzählung vom Plattenladensterben wie z.B. in der Dokumentation „I Need That Record“ (2008) ist „Sound It Out“ ein positiver Film. Einer, der es in 75 Minuten schafft, auf gemütlich-kurzweilige und nur fast nostalgische Art, eine kleine Milieustudie durchzuführen aus der man rausgeht nicht mit Mitleid und dem schlechten Gewissen, selbst zu wenig Platten zu kaufen. Sondern mit dem blanken Wunsch, dass solche Läden doch bleiben und Nerds wie Shane, Gareth, Tom und DJ Dick darin weiter ihre Runden drehen sollen. Tja, wenn es nur so einfach wäre.

Wertung von 10:
7von10 klein


Sound It Out war offizieller Film des Record Store Days 2011. Die DVD von good!movies bietet die englische Tonspur mit deutschen Untertiteln und circa eine Stunde interessantes Bonusmaterial.