So manches mal platzt mir als Musikkonsument der Kragen. Immer dann zum Beispiel, wenn darüber diskutiert wird, dass Musikstreaming dem Künstler mehr schadet, als es nützt, oder wenn ich sehe mit welcher Dreistigkeit Unternehmen wie Eventim ihre Preise zusammen stellen. Über Musikstreaming wurde viel geschrieben und das Thema ist wahrscheinlich noch lange nicht vom Tisch, gerade geistert aber ein Artikel der Berliner Zeitung durch diverse Facebook- Walls, den ich nicht unkommentiert lassen möchte.

Bereits vor fast 20 Jahren versuchte sich Pearl Jam gegen die undurchsichtigen und ihres Erachtens viel zu hohen Preiszusammenstellungen seitens Ticketmaster zu wehren und… verlor. Lediglich WIE die Preise sich zusammensetzen musste fortan auf den Rechnungen stehen. Wohlgemerkt hat sich EINE Band gegen Kartenverkäufer zur Wehr gesetzt. Eine einzige in der Geschichte der modernen Popmusik. Was sagt das aus über Bands, die Angst vor Sanktionen haben und viel wichtiger, was sagt es über Labels aus, die ja theoretisch am längeren Hebel sitzen würden?

Vor einem Monat bestellte ich Karten für die Alt-J Show im Februar kommenden Jahres und wählte, weil komfortabler, die Selbstausdruckvariante. Irgendwie glaubte ich in meinem Leichtsinn, dass die Karte an sich dadurch günstiger würde, hat doch Eventim einen wesentlich weniger aufwändigen Zustellweg, nämlich mehr oder weniger überhaupt keinen, so irrte ich mich. Für verdammt noch mal überhaupt nichts- ach was sage ich- weniger als nichts, denn ich muss das Ding zu Hause ausdrucken, oder falls kein Drucker vorhanden, in den nächsten Copyshop latschen, um mir das Ding ausdrucken zu lassen, verlangt der drittgrößte “Konzertveranstalter” der Welt 2,50 Euro und macht damit insgesamt- allein mit der Internetgebühr- 48 Millionen Euro im Jahr. Und wir? Wir machen mit, weil alternativlos. Erinnert sich noch einer daran, als die Bahn vor ein paar Jahren Tickets am Schalter teurer machen wollte, als am Automaten? Erinnert sich noch einer an das wütende Geschrei, sowohl von Boulevard-, als auch von Feuilletonlesern und wie schnell die Bahn von diesem Vorhaben zurücktrat? Warum funktioniert so was nicht bei Eventim?

Alternativlos? Nicht unbedingt. Faul trifft es wohl eher. Klar, wenn die Rolling Stones ihre 8000. Tournee spielen und augenzwinkernd die horrenden (endlich kann ich das Wort mal benutzen) Ticketpreise kritisieren, dann ist mir das ehrlich gesagt scheißegal. Wer sich von ein paar 70 Jährigen für mindestens 150 Euro den Rock’n’Roll verkaufen lassen muss, hat es in meinen Augen gar nicht anders verdient.
Auch trifft es in meinem Fall selten Bands, bei denen ich den Vorverkauf herbei sehne, um in einem kleinen Zeitfenster eine personalisierte Karte zu sichern, weil die Dinger innerhalb von einer halben Stunde ausverkauft sind. Kommt vor, wie zuletzt bei Radiohead, kommt aber Gott sei Dank selten vor. Viel öfter wird man doch von Veranstalterseiten direkt auf Ticketmaster oder Eventim geleitet. Müssen die das? Oder hat man auch von der Veranstalterseite keine andere Möglichkeit, als den Vorverkauf im Laden oder die Abendkasse? Kann es dem Veranstalter egal sein, wo der Kunde seine Karte kauft, weil er sowieso immer den gleichen Erlös aus einer Karte hat? Hat er vielleicht am Ende gar kein Interesse an der Zusammenstellung der Ticketpreise, weil so oder so Leute in seinen Laden kommen? Je mehr Fragen ich mir stelle, desto mehr Fragen kommen auf.

Hauptproblem bleibt doch, (und damit schließe ich den Kreis zum anfänglich erwähnten Musikstreaming) als Endverbraucher fehlen einem mittlerweile die Alternativen. Mag ich meine Musik auf physischem Tonträger und nicht digital, kauf ich mir eben Platten, will aber der Rest der Welt Musikstreaming, das dem Künstler aber keine Kohle bringt, was soll man machen? Noch mehr Platten kaufen?
Will ich, dass der Künstler auch mal feste Nahrung zu sich nimmt wenn er schon in abgeranzten Tourbussen quer durch Europa rast, dann gehe ich zur Show und kaufe meine Karte am besten an der Abendkasse oder eben direkt über den Club, in dem die Show stattfindet. Bin ich aber einer von 25.000 und will Radiohead unbedingt sehen, bleibt mir nur Eventim und seine phantasie- Preiszusammenstellung.

Will ich auf Nummer sicher gehen, kaufe ich den kompletten Merch- Stand auf. Da kann ich mir zumindest sicher sein, dass die Kohle direkt an den Künstler geht. Wer weiß, welches Unternehmen sich in Zukunft die Rechte daran sichert..

Schöne Zukunftsaussichten.