Studio Fraktus, äh Braun sind mit diesem Herbst beinahe so bekannt geworden, dass man sie sich schon als ins Bild geschnittene Gastkommentatoren der nächsten „Die schrägsten Momente 2012“-Sendung auf RTL vorstellen könnte. Beinahe.
Stattdessen aber sieht das Ganze viel harmloser aus. Oder doch nicht? Weil in England australische Telefonstreiche neuerdings zu (Selbst-)Morden führen, ist es um einen Zahn interessanter, heute mal über das Best Of „Braunes Gold“ der Schamoni/Palminger/Strunk Telefonstreiche zu sprechen. („Telefonstreich“, putzig, nicht? Heißt heute ja eher phone prank, will ich hier aber nicht schreiben … )
In der Intro #207 sagte Schamoni, sie seien mit ihren Telefonstreichen in Deutschland „mit die ersten gewesen“, die das gemacht haben. Abgesehen von zigtausenden kleinen Jungs (mich eingeschlossen), die das zur Freizeitbeschäftigung betrieben haben, stimmt das wohl so. Denn wer als pubertierendes Ding nicht wenigstens einen missratenen Telefonstreich hinter sich gebracht hat, der war doch viel zu brav, … oder einfach mit Wichtigerem beschäftigt. Ich erinnere mich an den einen Anruf (wir wählten unsere Opfer damals im Telefonbuch oft nach ihren witzigen Nachnamen aus, es tut mir wirklich Leid Herr Dumslaff!), bei dem wir an eine Dame im Rollstuhl gerieten. Normalerweise informierten wir die Leute über irgendeinen Gewinn in einer Lotterie (ja, so einfallslos war das oft). Aber dieser Frau versprachen wir über Minuten, sie per Helikopter durch das Dach des Hans Meiser Studios einzufliegen, damit sie bei einer Sendung zuschauen kann. Ihre Freude war nicht gespielt. Und beim Auflegen war er da der Kloß im Hals.

Studio Fraktus, ÄH BRAUN passiert so etwas nicht. Denn eigentlich sind sie wohl wirklich „mit die ersten“, die Telefonstreiche spielten, mit denen man sein Gegenüber nicht einfach in die Pfanne haute, sondern immer eher ein kleines Schauspiel aufführte, eine überraschende Geschichte auftischte, die Background hatte, Charakter!
Und zugegeben, Studio Braun sind auch so etwas wie die Dunkle Seite des deutschen großmedialen Humors. Oft zynisch, dunkelkantig und blank albern aber halt auch offenherzig und irgendwie kuschelig. In den Komiker Top 5 studierter Großstadtdödel kommen die drei Hamburger inzwischen auch immer öfter vor, gerne nach jeweiligen Einzelprojekten teils abschätzig (Dorfpunks Verfilmung), teils anerkennend (Deutsches Schauspielhaus) sortiert.
Aber hier ein Tipp: auf der nächsten Party mal den großen aber vergessenen Heino Jaeger lobend erwähnen und nebenbei fallen lassen, Schamoni, Dittrich und Fraktus Regisseur Jessen würden ja seit einiger Zeit an einer Verfilmung dessen Lebens arbeiten. Und dann natürlich erwähnen, dass Schamoni ohnehin ganz ganz viel abgeschaut habe von Jaeger, aber das alles zu erläutern, jetzt zu lange dauern würde “… gegen Jaeger jedenfalls sind Studio Braun Rockstars.“

Meine Favoriten auf diesem Best Of sind zahllos. Und auch wenn sich dieses Best Of eben hauptsächlich aus Aufnahmen von „Gespräche 1“ und „Gespräche 2“ speist und man daher vieles irgendwie irgendwann schon mal gehört hat: bei 2/3 der 30 Anrufe lache ich immer noch wie ein Wahnsinniger. Neidisch kann man da werden auf all diese charmanten Streiche ohne Todeskonsequenz. Und wirklich, Herr Dumslaff, die circa 20 Anrufe von damals tuen mir alle Leid. Ich hoffe, es geht ihnen gut! Und liebe Frau im Rollstuhl, auch unsere Geschichte tut mir ein bisschen Leid … aber sollten sie das hier lesen: wir beide wissen heute genau: mit der Hans Meiser Show hatten sie eigentlich gar nichts verpasst.

Wertung von 10:
8von10-klein