soniamiki snmk cover 2

Neulich stieß ich auf die Website drinkify.org, auf der man einen Musiker/Bandnamen eingibt und dann der dazu passende alkoholische Drink empfohlen wird. Zum Genuss von Slayer Alben passen demnach 250 ml Weizengrassaft und 250 ml Blut, kräftig geschüttelt. Zu Moon Dog empfiehlt sich eine ganze Flasche Wodka und zu den B-52s passt ääh Red Bull, Wodka und Averna? Go Home drinkify, you’re drunk!
Zu Soniamiki nun soll angeblich eine Flasche Red Bull und eine Flasche Armagnac Weinbrand passen. Okay. Fragt man allerdings mich, dann schmecke ich hier vor allem eins: Tonic Water. Mit einem Schuss Wodka. Oder: Stimme, Bass, Drums in einem trocken-lasziven Electro-Pop, erst sanft dann immer schneller gerührt, prickelnd 80erish, und tja: lecker.
Soniamiki, eigentlich Zosia Mikucka aus Lodz, singt auch auf ihrem zweiten Album „SNMK“ hauptsächlich polnisch, teils englisch. Beides in städtischer Poesie, naiv im ein oder anderen Liebesfilmdrehbuch verhangen: schöne Jungs, Telefonanrufe, Kinogänge, Zweisamkeit, tanzen gehen, an sich selbst denken. Was nun aber nach Bravo Lovestory klingt, entpuppt sich allein schon musikalisch eher in Richtung Außenseitertum, mache würden sagen „Underground“.

soniamiki snmk cover 1

Und dann das: Drummer dieses Albums und Lebensgefährte von Zosia Mikucka, Lukasz Lach, ist mit seiner Band L.Stadt in Polen so etwas wie ein Rockgeheimtipp. Dessen Schwester Katarzyna Lach spielte dagegen schon in der polnischen Kultband Formacja nieżywych Schabuff, und seine andere Schwester, Iza Lach, wurde dieses Jahr gar von den MTV Europe Awards zu einem der besten polnischen Acts nominiert und gilt bei den Briten ohnehin schon als die “Prinzessin des polnischen Pop”. So was nennt man “kreatives Umfeld”.
Ein bisschen was von Inspiration, Internationalität und Kontakten muss da wohl auf Soniamiki über geschwappt sein. Und so erlaube ich mir auch noch einen letzten Vergleich. Nehmen wir kurz den Electro-Pop der Schwedin Robyn. Obwohl sie 2010 mit ihrer Body Talk Trilogie zu lagerübergreifender Anerkennung & Ruhm gelangte, wird sie ihren latenten Indie-Anstrich irgendwie nicht los (was für mich ein ziemliches Phänomen bleibt). Hält man die beiden Indie-Electro-Poperinnen Soniamiki und Robyn nun gegeneinander, klingt letztere so merkwürdig verändert, so aufgeblasen, und plötzlich auch ein wenig nach: Lidl Energy Drink. Doch nur Massenware.
Man kann spontan nicht mehr als das hier wollen, sucht man nach einer intressanten Neuentdeckung. Soniamiki macht Spaß. Nur ist sie nichts für die Tanzfläche, eher was für die U-Bahn. Ach und zum Schluss, ich bin ehrlich: eigentlich passt zu Soniamiki doch jeder verdammte Drink. Zu Moon Dog, Slayer und B-52s aber auch … trinkt doch einfach, was – ihr – wollt.

Wertung von 10:
7von10 klein


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