fluidum_cover1

Ey, gehts nur mir so, oder kann man sich diesen Albumnamen nur so behalten: Fluidum, Fluidum, Fluidum, durch strenge Wiederholung. Denn gleich ist er mir bestimmt wieder entfallen, lass mich nur fünf weitere Zeilen schreiben und schon werd ich mich nicht erinnern an den Namen dieses Kindes. Und das will doch was heißen … nicht nur, dass ich Chemie in der Schule nie so richtig super fand, sondern auch, dass die Chemie zwischen mir und “Die Nerven” nicht so richtig super ist.

Dieses Bandfoto! Ehrlich jetzt, wer denkt nicht, da kämen jetzt so punky Teenageangst Mucker ohne echten Arsch in der Hose dafür aber mit Arsch auf der Mittelstadt-Gymnasium Schulbank? Und wer denkt nicht, dass das eben so bisschen halbwarme Einmal-Handschuh-Musik ist, die das aber auch selbst schon Genre-gemäß von sich behauptet? Gehören die Jungs nicht der Generation an, über die man sich vor wenigen Jahren Emo-Gags ausdachte? Und warum nicht denken, dass das halt nur so ein Debüt Album einer recht jungen Band ist – ohne Hype, große Geste oder sensationellen Neuheitswert? Ich kann das alles auch nicht denken, keine Sorge. Aber meine Probleme hier bleiben auch dann bestehen. Egal, was ich versuche.
die nerven bandfotoUnd immer wieder dieses Bandfoto. Drei Jungs, ganz schön gestriegelt, sitzend unter einem fucking Beethoven Bildchen! Wenn meine Annahmen bezüglich der Schulbank und des Gymnasiums stimmen, dann muss ich wohl trotzdem noch etwas warten auf die erste Jungsband mit offiziellen Bandsfotos von der letzten Klassenfahrt, Kellerparty oder von einer Nacht vollsoffen von tschechischem Schnaps. Denn eigentlich wollen wir das ja sehen und nicht den abertausendsten Visagisteneinsatz. Ich dachte, wir wollten ab und zu spontane Peinlichkeiten, ohne instagram und ohne Schokoladenseite, würdevoll, ja aber auch bisschen peinlich und vielleicht sogar grotesk. Nun, jedenfalls könnte ich mit solchen nicht existenten Fotos Songzeilen wie “Ich wünschte, mein Körper wäre ein Schrapnell” eher glauben und müsste sie nicht nur wieder als gebuttertes Image dechiffrieren. Und dann könnte ich auch glauben, dass mir – Moment, ich muss gucken – Fluidum wirklich was erzählt.

Ob dieser Image-Check hier her gehört? Natürlich. Und wahrscheinlich gehört er viel öfter in Musikrezensionen, als man es so kennt. Denn so junge Typen wie die von Die Nerven müssen eben auch gemessen werden an ihrem “Image” (das sich im übrigen ja selbst dann medial erzeugt, wenn die Band wirklich wirklich wirklich nicht eine Sekunde über selbiges nachgedacht hat.)

Die Nerven markieren die Stelle genau zwischen ungehobeltem Jugendexpriment und gebleckter Großstadt-Attitüde. Nur den Reiz beider Bereiche, den schöpfen sie so sehr nicht aus, dass Höhepunkte schlicht fehlen. Was bleibt sind 10 passable Songs zwischen schnellem aber eher harmlosen Hardcorepunk und waberndem aber ungiftigem Black Sabbath-Komplex. Dazu noch vereinzelt nette Lyrics (“andere Frauen ändern auch nix an deinem Problem”), vereinzelt doofe Lyrics (“die Stille ist zu laut”), immer wieder das Gefühl, dass der Band Messer zu sehr nach geeifert wird, und die Erkenntis, dass damit leider schon all zu viel gesagt ist über FLUIDUM.

Aber da, Song Drei, ein Versprechen, das wir ausnahmsweise mal ironisch und blauäugig verstehen sollten: den Song “Morgen breche ich aus”. Ja, bitte. Dann bin ich auch bei der nächsten Platte versprochen weniger streng.

Wertung von 10:
3von10-klein


Tourdaten:
25.01.2013 STUTTGART – MERLIN (POPFREAKS) (mit CANDELILLA)
08.02.2013 WÜRZBURG – CAIRO (mit MESSER)
09.02.2013 ESSLINGEN – KOMMA (mit MESSER + ZUCKER)