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In der allgemeinen Backstage-Betty Hierarchie kommt zuerst der Sänger, dann der Gitarrist. Drummer und Bassist müssen sich entweder mit dem kümmerlichen Rest zufrieden geben, oder lieber alleine im kalten Tourbus schlafen. Somit dürften die After- Show Abende von Megachurch ziemlich einsam sein, die bestehen nämlich nur aus zwei Bassisten und einem Drummer, von denen noch nicht mal einer singt. Klingt unpassend und am Ende vielleicht sogar unspannend? Gucken wir uns die Jungs mal an…

“At 2.19am my brother began to stir in his coffin…”
Und dann gehts los. Smoothes, zweistimmiges Intro gefolgt von dem, was mich in den folgenden 40 Minuten immer wieder ungläubig den Kopf schütteln lässt. Ungläubig, hehe. Gutes Stichwort und wohl das Beste, was man im Bezug auf dieses Album benutzen kann, denn was das Album zum großen Teil ausmacht, sind die eingespielten Samples diverser Fernsehprediger und sonstiger militanter Christen. USA USA USA tönt es da zu Beginn des zweiten Tracks und während man besonders die Ohren spitzt, um kein Wort dieser Menschen zu verpassen, in deren kranke Welt man als Westeuropäer normalerweise eher keine Einblicke bekommt (bestes Beispiel “Gay Agenda”), brettert es auch schon wieder los. Wer -wie ich- nicht für möglich gehalten hätte, dass zwei Bassisten und ein Drummer es schaffen, mit ihren Instrumenten so eine gewaltige Spannung aufzubauen, sollte bei jedem einzelnen Ton dieses Albums ganz genau hin hören. Sämtliche Tracks sind auf den Punkt genau und ohne Schnick- Schnack, (was wohl in erster Linie den Instrumenten geschuldet sein sollte) keiner mehr als viereinhalb Minuten und so mancher durch die viel betonten Samples erst so richtig beeindruckend. Bei meinem lieblings- Track “Battle Hymn Of The Republication” zum Beispiel, unterlegt vom Sample eines Sängers, der herzzereißend “Only God, No Other King” singt, bevor der Track so richtig in die Vollen geht.

Und so geschah es eines Tages, so hinterlistig und ohne das man etwas dagegen hätte tun können, da bohrten sich diese ganzen kleinen Predigten in mein Gehör und als ich eines Abends am Herd stand, den Löffel in meiner Bolognesesoße, da erschien er mir. Jesus höchstpersönlich grinste mir, von einer durchgekochten Nudel Basilikumgewürzt entgegen. Praise The Lord!

4/5

4von5