dance with dirt cover 1

Jimmy Eat World, diese inzwischen ziemlich egalen Emo-Popper, sind inzwischen ziemlich egal, no matter what. Ja mehr kann man seit Album “Futures” (2004) und aus der Distanz wirklich nicht von dieser Band behaupten. “Bleed American” (2001) war zwar eine musikalische Offenbarung und mit seiner Veröffentlichung zwei Monate vor 9/11 für manche so was wie der Soundtrack zum Jahrhundertcrash. Doch was kam danach? Der Ruhm, die Headliner Slots und die Vollkasko Mentalität. Und was kam danach? Mein einführender Satz.
Ich war Teenager, als “Bleed American” herauskam. Hab mir das Album damals bei Napster besorgt und es halt oft gehört. Weckt der ein oder andere Song heute Erinnerungen, weckte er damals die Neugier für nahe wie entfernte Genrekollegen wie The Get Up Kids, The Used, Dashboard Confessional, Death Cab for Cutie, Lostprophets, AFI bis hin zu Sunny Day Real Estate. (übrigens aber nie sowas wie My Chemical Romance, das soll noch gesagt sein). Nun, warum zähle ich das hier alles auf, warum die Jimmy Eat World Hervorholung? Weil ich mir sicher bin, dass mir Dance With Dirt als 16jähriger nen Emo-Hardrock-Garage Revival Orgasmus verpasst hätten. Aber sowas von.
Sehr Riff-lastige Songs, sehr mitsingbare Refrains, verdammt: sehr mitsingbare Strophen und das alles auf Albumlänge?! WTF! Ja! Ich wäre damals durchgedreht, ich wäre zu nem Festival nur wegen ihres Auftritts und dieses Debüts gefahren. Ich wäre zurück gekommen und hätte alle drei vorherigen EPs gekauft, auch wenn ich die genau so bei Napster gefunden hätte. Ich hätte gelernt, dass die Band aus Dänemark stammt und hätte mich gewundert, was noch so in Dänemark los ist und wie weit das von zuhause sei. Und ich hätte die Band heute bei einer Rezension wie dieser hier als erste Referenz genannt … auch wenn das jetzt nur so nen Zurück-in-die-Zukunft-Sinn ergibt. Egal!
dance with dirt cover 2
Aber jetzt mal ganz ruhig. Es ist März 2013, ich bin kein Teenager mehr (gottseidank), ich kaufe meine Musik heute online, hab die meisten großen Festivals satt und finde die Reunions alter Helden wie Led Zeppelin eigentlich langweilig. Things have changed… So sollte ich meine verliebte Brille etwas senken und der Realität ins Auge blicken. Und das erste was ich sehe, ist mein wildes Referenzen Heraushören und als erstes eben dieser Jimmy Eat World-Vibe. Ich kann nun Dance With Dirt nicht vorwerfen, sie litten an irgendeinem verhärteten Jimmy Eat World-Komplex, denn wir haben hier auch jede Menge 70er Rock Einflüsse (nicht sowas peinliches wie z.B. einst bei Wolfmother natürlich). Aber hey, wer mal z.B. das Outro ihres Songs “One Of These Days” hörte, dem fällt es eigentlich wie Schuppen aus den äh Ohren. Oder die Ballade “Amputations”! Beides von mir sehr gemochte Songs, aber vielleicht eben nur gemocht, weil sie mich erinnern an längst vergangene warme Tage, an den Geschmack von Mixery, den Glauben an Revolutionen, an uns Voyeure der Nacht, meine Freunde und mich, und an eine Zeit vor dem Führerschein.
Was den damaligen Lukas mit dem von heute verbindet ist aber z.B. noch die versteckte Liebe zu Songs mit knackigen Slogans und Stimmen, die diese Slogans verkörpern können. Stimmen eben wie die von Dance With Dirt Frontmann Magnus Jacobsen und Zeilen wie “We can’t ever be found/we are hiding in our cultures” oder “we only want it if they got it in the city”, Slogans eben. Ich liebe diesen rasant vorgetragenen Scheiß. Und der kommt heute bei den einschlägigen Zielgruppen natürlich immer noch an, zuletzt z.B. wieder bei den Japandroids. Was diese Kanadier übrigens von den Briten abgucken, gucken unsere Dänen also bei den Amerikanern ab. Und wie die späten Jimmy Eat World bei sich selbst abgucken, ist immer auch der Anfang vom Ende. Dance With Dirt aber stehen mit ihrem Debüt vor uns. Hoffen wir, dass die Zeit stehen bleibt.

Wertung von 10:

7von10 klein


Dance with Dirt spielen ihre zwei allerersten Deutschland Termine am 27.03. im Marias Ballroom, Hamburg und am 28.03. in der Pooca Bar, Hamburg.