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Es bietet sich für diese Rezension eine kurze Gegenüberstellung an. Die zwischen der hier zu besprechenden Electro Prog-Rock Band Suuns (Montréal) und Avant-Electro Wunderkind Doldrums (alias Airick Woodhead, Toronto). Es ist eine Gegenüberstellung oder sagen wir eine Konfrontation zweier Genrekollegen, die Doldrums bei weitem besser aussehen lässt. Nicht, weil Doldrums schon letztes Jahr mit der Egyp EP den Vogel abgeschossen hat; nicht weil die SPEX Doldrums’ Debüt Album “Lesser Evil” zum Album der aktuellen Ausgabe gemacht hat; nicht, weil seine Musik eine neue Wegmarke der kanadischen Expressivität im elektronischen Metier markiert. Nicht also weil Doldrums’ Arbeit das Suuns Album überstrahlt, wendet sich mein Blick von Letzterem ab. Sondern, weil Suuns’ “Images Du Futur” den Eindruck erweckt, sich von sich selbst langweilen zu lassen, fast schon aufgegen zu haben.
Detailaufnahme: Opener “Powers Of Ten” ist ein Fehlstart, der in dieser Reihenfolge abläuft: erst nervöses Gitarrengezitter, dann Ben Shemies Gesang, typisch vorgetragen mit zusammengebissenen Zähnen, dann ein dunkler Basedrum-Herzschlag, gleichzeitig verschieden elektronisches Gezwirpe, das Ganze immer enger miteinander verflochten und mit hohem Puls erzählt, bis es schlicht überwältigt, aber dann ziemlich schnell diese Spannung auch schon wieder abfällt, nicht zwar in der Soundkulisse, aber zwischen den Zeilen der zweite Songhälfte, dort wo wir stranden in einer matten Ziellosigkeit und uns fragen: Okay, und was jetzt? Diese Frage kann man auch an andere Teile dieses Albums stellen.
Aber warum bin ich davon enttäuscht? Mir ist das erste Suuns Album schließlich bekannt, diese unauffälligen Triebkräfte allein der Singles “Pie XI” und “Up Past The Nursery“, diese gepressten Untertreibungen. Auf “Images Du Futur” nun aber hören wir den Balanceakt zwischen virulentem Experiment und tanzbarer Eingängigkeit. Letzteres ist neu. War Vorgängeralbum “Zeroes QC” noch zu jener Experiment-Seite hingewandt (oder erzeugte diesen Eindruck aufgrund seines Neuheitswertes), ist dies auf dem Nachfolger verkocht zu bemühter Bequemlichkeit. Denn hier ist weder ein Ausschlagen in die eine noch die andere Richtung bemerkbar – viel eher gleichen sich Experiment und Markenqualität gleichstark aneinander an: das Balanceseil bleibt starr und eigentlich passiert die ganze Zeit nichts.
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Das ist ein Problem. Dass sich Suuns überhaupt in ausgerechnet diesem schwierigen Balanceakt befinden, liegt nun aber erstens an der Haltung der Band selbst, ihre elektronischen (man könnte sagen Trennkost-krautrockigen) Einflüsse in ihrem Sound besonders geltend zu machen und damit zwangsläufig dem Faktor Hipness in die Hände zu spielen. Und zweitens folgt daraus, dass sie sich so auf die oben bereits erwähnte kanadische Fläche elektronischer Erneuerer drängen, die eben lebt von dem Verdrahten von Experiment und Pop (Grimes, Crystal Castles, Purity Ring, Doldrums, Azari & III, MSTRKRFT, … ). Ein Versuch, der auf “Images Du Futur” aber bemüht wirkt, höchstens wie ein toller Triumph in der zweiten Liga.
Besonders belebend war der Suuns Sound auch auf dem Vorgänger nicht, was aber nicht heißt, dass er 2010 nicht troztdem aufregend war. Er bot einen neuen Blickwinkel auf die mögliche Verkettung von Effektgeräten, Stimme und Gitarre, ein durch und durch lebendiger Schauer. Stattdessen finden wir auf dem Nachfolger eine matte Synthetik wie in “Minor Work” oder so zähe Schleppseile wie z.B. mit “Edie’s Dream”. Songs zu denen man nicht wirklich zurück kehren will und Songs, die die ehemals fordernden Alleinstellungsmerkmale dieser Band bis ins überhörbare verharmlosen.
Von dort, wo die Band Suuns begann, sollte eigentlich kein Weg zurück zu Mäßigung führen oder zumindest keiner, der ihre Zielgruppe anturnen dürfte. Der Versuch, diesen Weg trotzdem einzuschlagen führte nun zu exzentrischem Biedertum, zum Rückschnitt des eigenen Potentials und schlussendlich nur zur Bejahung der anderen Genrekollegen, allen voran wahrscheinlich immernoch: Animal Collective. Die nämlich schaffen es seit über zehn Jahren, was Suuns schon jetzt nicht mehr liefern: viel mehr als zwei Seiten einer Medaille aufzuzeigen.

Wertung von 10:
5von10-klein


Tour:
4.05. Atomic Cafe, München
5.05. Comet Club, Berlin
6.05. Studio 672, Köln