grande roses cover 1
Stampfen, Pause, Stampfen, Ende. Was für Fitnessbewusste nach Küchen-Sport klingt, könnte für Rockbewusste auch nach dem Opener und Titeltrack des ersten Studioalbums der Stockholmer Rock Formation Grande Roses klingen. Ein flotter, gleichzeitig massiger Opener ists, und einer, der ein Geheimnis in sich birgt: seine Struktur ist ein kleinformatiger Bauplan des gesamten Albums! Er beginnt nämlich mit allem was die Band hauptsächlich zu bieten hat (oft reibende manchmal spastische Gitarren und Frontmann Göran Anderssons Stimme, die mit der Basedrum verheiratet zu sein scheint), es beginnt also mit einem Bekenntnis: hier stehen wir und können nicht anders. Dann poltert der Opener etwas und legt einen schüchternen Mittelteil ein – eine grollende Ruhepause und gleichzeitig Höhepunkt –, und kehrt dann zurück zur Konzentration, zurück zum Stampfen und zur Gitarre und auch zur Lösung des Problems? Zur Heilung? Das ist die Frage.
Das gesamte Album nun funktioniert also auf einer großen Skala genau wie dieser Opener. Albumtrack eins ist die Exposition, die Bekanntmachung mit dem Problem, der Krankheit. Track zwei bis vier sind die Handlungssteigerungen, Songs wie “Radio Heartbrake” oder “Sold Out Our Time”, Manifestationen einer Krankheit, Ausführlichkeiten irgendwo zwischen Liebe und leeren Händen. Track fünf, das ruhige “You’re never gonna change” ist der Höhepunkt, ein Moment der Stille und der Erkenntnis, ist die Ruhepause. Danach folgt der Abstieg zwischen Track sechs und neun, ein zweiter stampfender Kampf, nun aber deutlicher mit sich selbst ringend, Songs wie “Waiting for the Night”, “Sunken Ships” (“I hear them talk out there but I can’t understand/and I can see the structure right there but I can’t get a plan”). Und dann schließlich Song Nummer zehn “Yours”. Darin die Zeilen “And I love it when you drift away/ when your mom reminds you of better days/when you’re waiting/when you’re waiting somewhere/when you’re waiting for something/when you’re waiting for someone”. Dies also ist das Albumende, der Abschluss der Aufführung. Und es ist gleichzeitig eben auch kein Ende, inhaltlich vielmehr ein Ausdämmern, ein Hoffen und ein Krallen am Letzten, was noch bleibt, und Erstbesten, das daher trotten könnte. Warten auf bessere Tage, gefangen im eigenen Abspann. Eine naive Lösung des Problems, ein Betrugsversuch vielleicht.
grande roses cover 2
Es sind wie ich schon schrieb massige Songs. Massig nicht in der Länge, sondern in Sound und Auftritt. Songs, die in einander verschwimmen, was wohl vor allem an der stets auf gehoben moderatem Level bleibenden Originalität der Tracks liegt, ein für meinen Geschmack zu deutliches Gefangensein im eigenen Werkstoff. Aber letztlich ist das, das Gefangensein, so glaube ich, ja auch das Thema dieses Albums. Also eine vielleicht unberechtigte Kritik meinerseits.
Ironischerweise neigen Gefangene nun dazu, sich auf sich selbst zu konzentrieren, statt auf die Außenwelt und die Freiheit. Ein verinnerlichter Mechanismus der Selbstanalyse. Häufiges Produkt? Gefängnisliteratur – im übertragenen Sinne. Häufige Reaktion der Außenwelt? Unverständnis. Auch für mich gilt: Unverständnis vor diesem aufgeführten Stück, besser gesagt: für sein Ende, diesen zu laschen Versuch, davon zu kommen mit den Konsequenzen eines gewichtigen Bekenntnisses. Großes Scheitern wäre vielleicht die gesündere Alternative gewesen. So nun bleibt eine Heilung für alle Beteiligten aus.

Wertung von 10:
6von10-klein
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Live in Deutschland:
01.05. Frankfurt – 11er
02.05. München – Orangehouse
03.05. Hamburg – Grüner Jäger
05.05. Berlin – Cassiopeia
06.05. Köln – MCT