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Tjaja, irgendwann wird man sagen, jede gute Unternehmensgeschichte bräuchte einen Shitstorm, jeder Künstler-Nachruf mehr Gefasel als nur “aus der Fremde schöpfte er/sie fürs Eigene” und kein Mensch mehr wird auswendige Kenntnisse brauchen über irgendwelche Kirchheimer Dreiecke, Darmstädter Kreuze und was sie jetzt womit genau verbinden.
Aber so weit sind wir noch nicht. Etwas naturmäßig zurück gefallen und gleichzeitig spritzig darf man heute also immer noch tuen. Zum Beispiel, wenn man das Bleached Album mag. Und ich mag es – auch wenn viel zu lesen war von Zu-Frühe-Sommer-Platte Einschätzungen und Mittelmaß-Neuband Debüt. Man darf Alben schließlich auch mögen, wenn man den hier unweigerlichen (Neo-?)Riot-Grrrl-Charme verweigert und betont, dass es genauso gut um einen Debbie Harry Soft Punk Face Lift gehen könnte. Hin und wieder schmachtend (“Dreaming Of You”), dann auch medium groovy ooohoooh-Chörchen (“Outta My Mind”) und letztlich immer wieder halb ironische Girl-meets-Boys Märchen. Episoden des eigenen Prozessionsraupentums, wenn es darum geht, ihn zu verneinen, den witzlosen Beziehungsneuanfang und sowieso dieses ganze jungle of relationships Zeug, von dem man mehr als zu viel hat.
“Ride Your Heart” ist ein Album der zwei Schwestern Jennifer & Jessie Calvin (Ex-Mika Miko), die hier den musikalischen Erstbeweis von Selbstständigkeit bringen müssen. Ein Abschütteln dessen, was bei der Vorband zu viel Strass war und zu viel Uneinigkeit verlangte. So ist dieses Album ein zutiefst geordnetes, gerade zu braves geworden. Eingängig und schnell im Durchlauf. Aber auch mit etwas zu wenig Haftbarkeit und zu flachen Fußabdruck. Der Sommerwind, der noch kommen wird, könnte es all zu bald vergessen machen.
Trotzdem höre ich es heute gern. Es passt zu dämmernden Geisteszuständen wie zu leicht erregten – Musik die im Hintergrund funktioniert und am liebsten bei Sonnenuntergang Erfüllung bringt. Und da wir alle neulich ja die Uhrzeit umstellten, kriecht dieses Album Richtung Party. Zu Schade, dass es mit nur rund 35 Minuten kaum aushält, dort auch wirklich anzukommen.

Wertung von 10 trotzdem:
7von10 klein

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