asiwyfa-interview

Von der Idee zum Interview in zwei Tagen. Da lag ich hier so rum und stellte mich seelisch und moralisch schon mal auf mein persönliches Konzert- Highlight des Jahres ein, da kam mir die Frage: “Warum verbindest du das Konzert eigentlich nich mit nem Interview?”
Ok, naheliegend ist es wohl und doch kamen mir nach dem Abschicken der Anfrage die ersten Zweifel. Wie klingt es, wenn ein Fanboy das Interview macht? Wie klingt es überhaupt, wenn ein Fanboy mit zwar ganz guten, aber doch recht holprigen Englisch Kenntnissen das Interview macht?

Somit habt ihr hier mal wieder eine Premiere vor Augen! Nicht nur das erste Interview auf asiwyfab überhaupt, nein es ist auch gleich noch mit meiner Lieblingsband und dann auch noch auf Englisch (Also das Interview jetzt, der Text wurde höchst fein säuberlich übersetzt)

Lasst euch sagen, es war eine mittlere Qual Niall’s nuscheligen, starken, irischen Akzent zu entschlüsseln. Aber ich hab’s geschafft, ich bin ein wenig stolz darauf und es war die großartigste Erfahrung, die ich durch den Blog sammeln durfte. Auf die nächsten Interviews!

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Gestern habe ich ein Review zu “All Hail Bright Futures” gelesen, dessen Überschrift lautete “Alles gut, so lange die Belfaster nur die Klappe halten.” (Nachzulesen hier) Als ich das Album zum ersten mal gehört habe, dachte ich “Die Sache mit dem Gesang wird live richtig geil!” Sind eure Platten in erster Linie für Live- Auftritte konzipiert?

Rory: Die ersten beiden Alben waren eher Studio Alben, da sie mehr oder weniger bereits fertig waren, bevor wir uns an die Aufnahmen machten. Bei “All Hail Bright Futures” war es so, dass wir die Songs quasi erst lernen mussten nachdem wir sie aufgenommen hatten und sie somit ihr Potential auch für uns erst nach ein paar Shows entfalteten. Ja, And So I Watch You From Afar ist wohl in erster Linie eine Live- Band.

Mich hat bei euren Shows immer irgendwie gestört, dass die Leute im Publikum die Gitarren- Parts mitgesungen haben. Wollt ihr dem Publikum mit dem Gesang endlich auch etwas zu tun geben?

Rory: Ja! Das ist ein cooles Nebenprodukt, wenn du Vocals in deinen Songs hast. Es macht unheimlich viel Spaß, wenn die Leute im Publikum mit dir zusammen singen und das war etwas neues für uns.

Niall: Das lustige ist auch, wie die Leute bei Songs mitsingen, die keine Vocals haben. Bei “The Voiceless” klingt das oft sehr poppig. Das führt zu sehr vielen, komischen Momenten.

Mit eurem Debüt 2009 habt ihr meine Sicht auf traditionellen Post-Rock gehörig aufgemischt und als ich mich gerade an den Sound gewöhnt hatte, kam “Gangs” mit dem ihr schon wieder einen bis dato ungehörten Sound in das Genre brachtet. Seit einem Monat ist nun “All Hail Bright Futures” auf dem Markt, bei dem ich mich immer noch in einer Art Lernphase befinde. Macht ihr euch zur Aufgabe, mit den traditionellen Post- Rock Konzepten zu brechen?

Rory: Wir versuchen nicht zwanghaft diese Konzepte zu ignorieren, aber wir versuchen alles zu vermeiden, was Stillstand bedeutet. Erfüllt und Begeistert von Musik zu sein, bedeutet auch immer, etwas neues zu versuchen. Vielleicht haben wir einfach nur eine extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne.

Typisch für Post- Rock wäre da ja zum Beispiel die sich langsam aufbauende “Wall of sound”, die bei euch ja fast überhaupt nicht vorkommt. Oft denke ich “Mensch, dieses Riff könnten die schon noch n paar Minuten spielen”, aber während ich den Gedanken zu Ende denke, habt ihr schon wieder 10 neue Riffs gespielt.

Rory: Für manche Leute sind wir bestimmt eine sehr frustrierende Band, aber es sind auch jedes mal verdammt viele Riffs, die wir unbedingt auf der Platte haben wollen. Wir versuchen den Platz, den wir haben, so gut wie möglich zu nutzen. Es ist auch wichtig, immer etwas neues in Petto zu haben, denn für mich ist Stillstand ganz einfach der Anfang vom Ende.

“All Hail Bright Futures” ist das erste Album ohne Tony, der die Band letztes Jahr verlassen hat, um sich seiner Solo- Karriere als Singer/Songwriter zu widmen. Du (Rory) und Tony waren dafür bekannt, ein unschlagbares Team zu sein, was das Zusammenspiel anging. Inwiefern hat das das Songwriting beeinflusst? Welchen Stellenwert hast du (Niall) beim Songwriting?

Rory: “All Hail Bright Futures” wurde komplett von den drei verbliebenden Mitgliedern geschrieben. Niall kam erst im Anschluss in die Band und natürlich zerschlägt so ein Ausstieg immer irgendwie die Dynamik einer Band, aber wir nahmen diese Veränderung zum Anlass, die Band und die Herangehensweise aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Niall hat einen großen Anteil daran gehabt, “All Hail Bright Futures” live spielbar zu machen und so bin ich sehr gespannt, wie sich diese Veränderung auf das nächste Album auswirken wird.

Wie lange hattest du Zeit, die zwei Alben zu lernen?

Niall: Ich hatte 10 Tage um das Set für die Tour zu lernen und währen die Anderen Jungs im Studio waren, saß ich zu Hause und spielte stundenlang. Manchmal kam es auch vor, dass ich erst beim gemeinsamen proben merkte, dass ich die ganze Zeit den falschen Part gelernt hatte. Allerdings fühlte es sich beim lernen der neuen Songs schon in etwa so an, als hätten wir die ganze Zeit schon zusammen gespielt. Wir haben sogar schon vorher in einer Band namens “Team Fresh” gespielt, in der ich Drums und Rory Gitarre gespielt hatte, somit kenne ich die Herangehensweise und das macht vieles einfacher.

Um an meine Ausgangsfrage anzuknüpfen, haben negative Reviews Einflüsse auf euer Songwriting? Lest ihr überhaupt noch Reviews?

Rory: Ja, manchmal schon. Es ist immer interessant zu lesen, wie unterschiedlich ein Album betrachtet wird. Aber im vergleich zu früher, wo man über jedes geschriebene Wort über einen froh war, haben sie keinen besonderen Stellenwert mehr. Einen Raum voller Menschen zu haben, die wegen dir gekommen sind, ist immer noch das beste Anzeichen dafür, dass man doch nicht so viel falsch macht.

Niall: Es wäre auch auf Dauer zu hart, diese Reviews zu nah an sich heran zu lassen. Am Ende ist es doch nur ein Mensch, der das Review geschrieben hat und somit auch nur eine Meinung.

Rory: Es ist mir lieber, dass wir mit den Sichtweisen mancher Leute aufräumen und sie eventuell auch aus der Fassung bringen, als das es ihnen egal wäre.

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Das darauf folgende Konzert überraschte mit der besten Setlist, die ich je von ASIWYFA gehört habe und einer so verdammt spielfreudigen Band, dass ich jedes mal allein vom zusehen grinsen muss. Ein gemeinsames schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen, ein sehr beeindruckendes Gespräch über das Überleben von Indie- Bands, dessen Gedächtnisprotokoll leider zu lückenhaft ist, um es aufzuschreiben und das ein oder Andere Bier folgten. Ja, ich weiß schon, warum das meine lieblings- Band ist.

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