bau hopes

Im Kontext der Wetzlarer Hardcore Band Business As Usual (BAU) fällt immer wieder das Schlagwort DIY auf. Das DIY-Label ist hier aber nicht hohles Accessoire, sondern reicht in der BAU-Praxis von Plattenproduktion, Booking, Netzwerken und Online Pflege bis hin zum Produzieren einzigartiger Tour-Dokus (asiwyfab berichtete), Erledigung von Promo Angelegenheiten und natürlich dem Touren selbst. Nun wäre das alles nichts wirklich besonderes, würde die Band nicht schon seit über 10 Jahren genau diesen Stil pflegen. Mehr DIY geht nicht.
Manchmal denke ich, Hardcore Musiker seien die Schamanen der Musikwelt. Sie gehören keiner ausbeuterischen Organisation an, bereichern dich mit ihrer kritischen Weltsicht und stehen für zeitlose Werte und gleichzeitig Wandel. Es geht also um Abgrenzung, Bewusstseinsbildung und Überzeugung.
BAU ist auch so ein Schamane, ein klassischer dazu. Er ist keiner, der sich in goldenen Stoffen kleidet, sondern Streetwear bevorzugt. Er sitzt nicht selbstherrlich auf einem Thron, sondern an seinem einfachen Arbeitsplatz. Er ist kein Demagoge, bloß einer, der gerne antwortet. Und bestimmt ist er niemand, der sich zufrieden gibt mit Erreichtem, wo es doch noch so vieles zu tun gibt.
Man erkennt sie auf der Straße nicht unbedingt, und im Bus sitzen sie still neben dir, sind höchstens irgendwie freundlicher, als die meisten anderen. Aber was es heißt, über zehn Jahre so eine Band und Attitüde zu leben, das zwängen sie dir nicht auf. Nicht dass es Aufopferung bedeutet und auch nichts über wiederkehrende Frustration vor den Dingen in der Welt. Zehn Jahre lang Kampf sind schließlich nicht zuletzt auch ein Kampf mit sich selbst. Können wir es ihnen da verübeln, auf der Bühne zu schreien? Lauter zu sein, als andere Musik, wo sie doch so aufgeladen sind mit ihrem sonst so schüchternen Schamanismus?
Die dritte Veröffentlichung von BAU ist nun die 5 Track EP Hopes. Und vielleicht auch, weil EP Veröffentlichungen heutzutage immer öfter unter dem Wahrnehmungsradar der meisten Leute verschwinden, gibt’s zur EP gleich noch die selbstbetitelte BAU 12” von 2011 dazu. Auf ihr Songs wie „No Regrets“ oder „Powertrip“, die ich vor drei Jahren schon gerne hörte und die mir jetzt nochmal in Erinnerung gebracht wurden. Und auf der ganz neuen EP nach kurzem Durchhören schon zwei herausragende Tracks: „Not Grown Up“, auf dem das beträchtlich gewachsene Schreibtalent von Sänger Chris Hönig zu erkennen ist. Und dann der Song „Difference“. Auf letzterem steuert der Sänger der Serbischen Hardcore Band Through These Eyes Vocals bei. Ein gelungenes Stück Teamwork (vgl. auch hier wieder die dazugehörige Doku).
Alles in allem ist dies eine sehr gesunde Veröffentlichung. Die Doppel CD fasst mit ihren insgesamt 15 Tracks ja auch die letzten drei Jahre der Band zusammen. Und rein rechnerisch waren es die aktivsten ihrer Geschichte. Ein gutes Zeichen, ein hoffnungsvolles. Vielleicht erklärt sich auch so der Name der EP. Ach, und ist Hoffnung nicht übrigens auch wieder typisch DIY?

Wertung von 10:
8von10-klein