StrangePleasures_CD_Final
I shit you not: am gleichen Tag, an dem das hier zu besprechende Album “Strange Pleasures” bei Sub Pop erschien, am 10. Mai nämlich, erschien auch ein Album namens “Simple Pleasures”. Letzteres kommt von den Münchnern Elektrik Kezy Mezy und ist eine eher mittelmäßige Party und Trash Rock Platte: very simple. Ersteres kommt nun aber vom Londoner Produzenten/Vocals Paar Greg Hughes/Tessa Murray, ist der Nachfolger des durchaus beachtlichen Debüts “Creatures Of An Hour” (2011), und klingt nach der Sorte unaufdringlichem Dream Pop, die irgendwie nicht langweilig werden will: very strange.
Denn eigentlich hab ichs ja noch nicht mal so mit diesem Genre und seinem wie hier entspannten 80er Kling-Klang, Fadeouts am Ende von Songs, Echos bis in die Spitzen und allerhand Synthie-Überraschungen. Und in hypothetischen Musikvideos kann ich diesen Sound fast nur mit Zeitlupen-Effekten innerhalb von Club Situationen übersetzen, … Großstadt-Protagonist tanzt relaxt zwischen fremden Schultern und findet sich zwanghaft schön dabei. Irgendwas machen Still Collins also ziemlich richtig.
Hervorheben will ich Track 7, “Future Age”, war er es doch, der mich endgültig von der Qualität dieses Albums überzeugte. Darin anfangs zu hören sind wohlgeformte Glitzerexplosionen, immer mit respektvollem Abstand zu einander, und sie bereiten den herrlichen Himmel vor, an dem Lyrics wie diese hier plötzlich nicht peinlich klingen: “swim in the sea of love/and fly with the white doves”. Darunter rumpelnde Drums und gleich schon dieser seufzende Refrain, ehrwürdig und gleichzeitig all-you-can-eat Kitsch. I’m lovin’ it!
Schaltet man von dieser Opulenz ein zwei Gänge zurück und dreht den Sitz etwas nach hinten, dann erschließt sich auch der Rest des Albums ganz leicht. “All I Know”, “Beginning To Blue” oder “Midnight Drive”, Songs so zart wie Seide, ja, verdammter Seiden-Pop.
Die Ironie ist nun leider, dass der letzte Track des Albums, der Titeltrack “Strange Pleasures” nämlich, meine Erwartungen tatsächlich enttäuscht, sogar jedes mal aufs Neue. Und nicht etwa, weil er too strange ist, sondern weil er so ein abgestandener letzter Track ist, ein nachlässig originelles Wiederholen vorangegangener Kunststücke, ohne Steigerung, ohne letzte Pointe. Aus München kommt das Album damit aber trotzdem noch lange nicht.

Wertung von 10:
8von10-klein


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