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Die französische Sprache und ich haben eine kurze, aber intensive gemeinsame Geschichte, bei deren Ende ich klausurentechnisch möglicherweise bis heute den All- time Negativrekord meiner Schule halte und im Endeffekt heute auf Französisch nicht mal ein Päckchen Zigaretten kaufen könnte.

Die fummelig mit dem google- Übersetzer übersetzten Titel geben recht wenig Aufschluss über den Inhalt dieses Albums, dass nach dem ersten Hören wie der Blick in das Innere eines Psychokillers klingt. Aber Musik ist international und so und die Kernaussage von Erlen Meyer sowieso klar. Allein das Intro “Gamla Stan” baut so viel bedrückende Stimmung auf, wie es manche Bands mit kompletten Alben nicht schaffen und der nahtlos anknüpfende Opener “Nuit” zeigt sofort, wohin die Reise geht. Schreckhafte Personen sollten hier (und noch das ein- oder andere Mal auf dieser Platte) die Lautstärke vielleicht ein bisschen herunter drehen. Wenn’s euch erwischt, wisst ihr warum.

Erlen Meyer bieten in der kommenden dreiviertel Stunde so viel Brutalität und Verzweiflung gepaart mit solch druckvollen, sich ständig zwischen Sludge und Doom bewegenden Melodien, wie ich sie in dieser Qualität definitiv noch nie gehört habe.

Kein Song vermittelt den Eindruck eines Lückenfüllers, die wenigen Parts, die zum Durchatmen einladen, sind nie länger als unbedingt nötig und tragen perfekt zum Stimmungsvollen Aufbau bei. Sei es der Chansonartige Gesang bei “Sans Fleur Ni Couronne”, (Klar musste der Chanson- Vergleich kommen. Wo sich für jemanden wie mich jedes französisch gesungene Wort anhört, wie von einem Knopfaugigen Chansonnière mit filterloser Zigarette im Mundwinkel) dessen schiefer Gesang Sänger Olivier Lacroix betrunken durch Französische Altbaugassen wandern lässt. (Bei diesem Vergleich fällt mir auf, wie stereotyp doch mein Bild eines Franzosen an sich ist. Aber bei DEM Namen ey!)

Hatte ich bei “Bouche Cousue” in den ersten drei Minuten den Eindruck, die Luft sei nun beim vorletzten Song und über einer halben Stunde Spielzeit raus, lässt er mich auch beim 30. mal hören mit Kopfschütteln zurück. Ein unglaublicher Part, der einen aus dem monotonen Anfang heraus reißt und im letzten Drittel des Songs sogar noch mal eine Schippe drauf legt… so etwas hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört!

Keine aufgesetzte Emotion, kein weinerlicher Gesang, keine, bis zum Anschlag ausgereizten Parts. Ich habe selten ein Album gehört, bei dem ganz einfach alles passt. Am wenigsten in diesem Genre.

Seit über einer Woche denke ich nun: “Flo, du kannst dem Album keine volle Punktzahl geben. Es gibt kein perfektes Album. Irgend einen Kritikpunkt muss es doch geben!” Aber nein, beim besten Willen nicht. Laut last.fm habe ich in der letzten Woche ca. 250x Erlen Meyer gehört, was bedeutet, dass ich ich das Album ungefähr 30x komplett durchgehört habe und echt, es wächst immer noch!

Aus diesem Grund gibt’s vollkommen verdient die volle Punktzahl

Erlen Meyer: Je vous aime!

10/10

10von10

Erlen Meyer erscheint am kommenden Montag (20.05) auf Shelsmusic

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