jacob-bellens-the-daisy-age cover 1

Hört, hört, der Hirtenbrief der schwerknochigen Nächstenliebe aus dem Bistum Dänemark klopft an die Tür. Ein Hirtenbrief aus dem Bistum der dicken Folk-Stimmen, der bittersüßen Serenaden und der milchigen Ritterlichkeit. Einer Ritterlichkeit, die immer in jenen Filmszenen als Soundtrack funktioniert, in denen das betrogene und sitzengelassene schwarze Entlein vom unwahrscheinlichsten Typen des Jahrgangs zum Tanz aufgefordert wird … und dir das Herz vor Rührung gesprengt wird. Platsch. “The Daisy Age” ist diese Szene auf 42 Minuten gestreckt.

Ich kannte Jacob Bellens’ Vorgängerformationen Murder und I Got You On Tape nicht, blieben sie doch außerhalb Dänemarks einer dieser Geheimtipps, die man so selten wirklich nachrecherchiert. Und hätte ich seinerzeit recherchiert – seit 2005 boten sich so einige Veröffentlichungen dafür an -, ich wäre beim vorherigen Duo- bzw. Band-Betrieb mit Bellens drin auf meinem Hocker sitzen geblieben. Nein, es haut bei heutigem Nach-Anhören nicht allzu rein. Ein wenig wirken die beiden Projekte, als unterschätzten sie das Goldstück im Repertoire: Bellens’ Stimme.

Diese nimmt auf seinem ersten Solo-Album nun quasi-automatisch eine zentrale Stellung ein. Eine vielleicht konservative Besinnung aufs Wesentliche, aber eine, die allen Beteiligten gut tut. Und das trotz gefährlich vielen Musiker-Kollegen, die bei dieser dezenten Album-Produktion aushalfen. Diese Besinnung ist eine beständige. So achte man mal allein auf das hörbare Atmen Bellens’ in Track “Eight Arms To Hold You” noch bevor er überhaupt zu singen beginnt. Dieses hastig-leise Zischen, ein bisschen ungesund klingend, das aber auch wie ein Scharnier zwischen Schweigen und Stimme funktioniert, und welches, ja verdammt, vielleicht sogar nur vom mikroskopischen Schwingen seiner Nasenhaare erzeugt wird. Aber dieses Atmen wurde eben nicht herausgeschnitten und verrät damit schon überraschend viel über die innere Beschaffenheit von “The Daisy Age”.

jacob-bellens-the-daisy-age cover 2

Und wieder zurück zu diesen bekannten wie (eigentlich) erleichternden Prom-Night-Sequenzen aus den sonst so brütend heißen US-Melodramen, die spielen vor suburbanen Nord-, West-, Ost- oder Süd-US-Kulissen, die aber vor allem vor den Kulissen deiner privaten Empfindsamkeit stattfinden. Jeder Song hier ist diese eine bekannte Art der Überwindung und dieses eine Erheben einer entfernt bekannten Stimme über die eigene, innere Stimme und Befindlichkeit. Ein “Jetzt oder nie”. Wir in unseren Kinosesseln kennen die Antwort ja, diesen gewaltig kleinen Schritt ins Ungewisse und jedes mal freuen wir uns, dass ihn jemand an unser statt auf der Leinwand schauspielert … oder manchmal jemand ihn singt.

“The Daisy Age” ist ein zärtliches Album und eines, das Aufmerksamkeit verlangt. Selbst eingängige Nummern wie “Bubbles Of Hysteria”, “Advise You To Remember“ oder “Only For The Lonely” lassen sich nicht so ohne Weiteres abschleppen. Nimm dir Zeit für das hier, nimm Anlauf, aber verdammt, nimm auch diese Hand. Und wir werden uns alle für dich freuen.

Wertung von 10:

8von10-klein

 


Tour folgt.
[youtube id=”ulCOsV1nmHo” mode=”normal” align=”center”]