Alarm! Alarm! Sommerloch. Debütalbum. Hitzemucke. Frauenstimme. Gitarre. Debütalbum. JAN (ausgesprochen Jo-ann-nah) (wie bitte was?) stellt sich an der Ecke New York/Seattle in die Schlange der diese Saison so beliebten Post-Grunge Bands, die gemeinsam haben, eine Frauenstimme an die Mauer zu stellen. Bisschen crispy, bisschen desperate, bisschen deadly. Und bisschen austauschbar. Aber da ich bei dem Slogan “jeder Sommer hat seine Geschichte zu erzählen” (wie the cool people zu sagen pflegen) meine Augen immer einen ganzen Kreis rollen lasse, heißt es ja für mich, dass dieser Sommer (wie jeder Sommer) zu diesem Album passt – etwas  austauschbar, etwas desperate. Bestenfalls aber Zitat. Ein Album also wie geschaffen für die Realo-Mitte, in die ich mich an ächzenden Tagen wie diesen verkrieche. Aber will ich meine Zeit wirklich weiterhin mit der Musik von JAN bekleckern? Nein.

Also. Was geht hier ab. Mitte oder Tauschklamotte, deadly oder sadly? Seit einiger Zeit nun höre ich dieses Album mal sporadisch und mal konzentriert. Mal gelangweilt und mal zweckmäßig. Aber irgendwie bleit es nicht im Magen. Nein, es hängt selbst bei Songs, die ich mag (zum Beispiel “No Kind” oder “Cousins” (dieses geile Flöten-Solo!)) nicht richtig nach. Ich vermute Folgendes: der Versuch von JAN zwischen Grunge-Roots und Arty-Indie zu verhandeln, manövriert sie in die Sorte Ecke, die eher geringen Wiederhörwert bedeutet, weil zu verquast. Eher geringen Partyfaktor ausstrahlt, weil zu jammernd. Und eher wenig Überraschungen bietet, weil (siehe oben) austauschbar. Es passt im Gesamten eher also ins Sommerloch. Nur nicht ins meins. (Ich finde übrigens durchaus, dass der Gebrauch des Begriffes „Sommerloch“ immer nur etwas über seinen Verwender als über den Sommer selbst ausdrückt.)

Man merkt ja, dass Songs wie “All Of These Igloos”, “Winter’s Got My Coat” u.a. (nochmal: “Cousins”!) sich lobenswert an der Dissonanz versuchen und aus der Reihe tanzen möchten, weil man das in Brooklyn wohl gerade so macht. Was ich und andere ob dieser Verwirrungsstifterei gerne und ahnungslos mit dem Prädikat “arty” belohnen, treibt auf Abandon/Amalgamate aber nur deplazierte Splitter in den Albumflow. Und das ist alles andere als “arty”. Eher nervig. Geht Grunge und “Art“-Rock etwa wirklich nur so schwerfällig zusammen!? (Ausnahme: “Cousins”).
JAN Abandon-Amalgamate
Noch ein Problem: das Album-Cover. Zeigt her euer Achselhaar?! Dazu Peitschen-Zopf und komischer Kragen. Fingernägel passend zum Dingsda…äh, Oberteil? Say no to böse Püppchen. Ich mag das grade nicht. Sieht eh nach einem Plattencover von 2005 aus. Kommt diverse Runden auf dem Pop-Course zu spät und turnt einfach ab.

Ich sag es mal so: Debüts sind Debüts sind Debüts. Und Debüts leichtfertig ins Sommerloch zu schubsen, ist fies. Aber manchmal bin ich fies. Ich sitze hier also fies rum und finde den Fehler. Und hinter meinem Fenster scheint die Sonne. Hier drinnen höre ich Wagner. Aber nicht JAN. Höchstens ihren Song “Cousins”. Danach aber wieder Wagner, und zwar so laut, als wüsste ich, was das alles hier bedeutet. Immerhin hatte Wagner auch geile Flöten auf seinen Alben…

Wertung von 10 Igloos:

4von10-klein

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Live und so:
15.08. Trier – Ex Haus
16.08. Giessen – Stadtfest
17.08. Freiburg – Slowclub
19.08. (AT) Innsbruck – PMK
23.08. (IT) San Slavo – Beat Café
24.08. (IT) Molfetta – Lottarox Summer Festival
25.08. (IT) Reggio Emilia – tba
26.08. (CRO) Zagreb – Mocvara
27.08. (HUN) Budapest – Gozsdu Manó Klub
28.08. (AT) Wien – Rhiz
30.08. Nürnberg – K4
01.09. Braunschweig – Nexus
02.09. Leipzig – Zoro
03.09. Berlin – Bei Ruth
04.09. Hannover – Korn
05.09. Hamburg – Hafenklang
06.09. Bonn – Kult 41
07.09. Offenbach – Hafen 2