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Vom Göteborger Indie-Label Luxury besprach ich hier im Januar mal das Album des Duos Palpitation. Das fand ich damals ja nicht so spitze, versprach aber auch, ihm irgendwann bald eine zweite Chance zu geben. Das tat ich nun neulich aus dem Anlass, es jetzt wieder mit einem Luxury-Album zu tun zu haben. Und ich kann nun sagen: ich war damals ein wenig zu streng mit dem Album. Eigentlich wars ja doch ein ganz feines bis zerbrechliches Indie-Poprock Ding. Und Songs waren drauf, die heute gleich viel entspannender wirken, als noch vor über einem halben Jahr. Gut. Aber das sollte hier jetzt auch mal reichen … denn nebenbei: die New Yorker Band Beach Fossils verrichtet einen ganz ähnlichen musikalischen Job wie Palpitation. Und den immer noch um einiges attraktiver …

Heute nochmal Luxury also. Nochmal junge, schwedische Gitarren. 2009 erschien Makthaverskans gleichnamiges Debüt (zwar nur in Schweden, aber auf Youtube geht noch was) und hielt eine Mischung aus Schrammel-Punk und Goth-Pop bereit. Nicht verkehrt war das. Aber auch nicht ganz das große Ding (was vielleicht auch einfach daran lag, dass damals niemand in der Band älter als 18 Jahre war). Etwas wenig frech, etwas unausgereift wars. Aber die Richtung war schon deutlich. Mit Makthaverskan – das muss man heute nun ganz deutlich sagen – hat das Luxury Label damals auf ein erstmal bescheidenes Pferd gesetzt. Aber dieses Pferd liegt in seinem zweiten Rennen verflixt weit vorn.

Album Makthaverskan II bringt es nun auf satte 70km/h. Das ist so in etwa die Geschwindigkeit, die ein gutes Rennpferd erreichen kann. Und ich hab zuletzt oft auf diesen Gaul gesessen und ihn weiß Gott blutig gepeitscht, also die Lautstärke weit nach oben geregelt. Ich hab gleichzeitig aber auch aus dem Publikum applaudiert und dieses Pferd auf seinem rasanten Ritt an mir vorbei preschen sehen, mich also gefreut, dass dieser Act auch an seiner Oberfläche ganz schön geschmeidig wirkt. Ja, ich hatte rundum Spaß.

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Was ist also gelungener auf diesem zweiten Album? Die Vocals geraten in ein nervöses Echo, die Gitarren in ein lockeres Punk-Korsett. Die Produktion insgesamt ist geschliffener, klingt bisweilen nach Joy Division und den Smiths, ja, “This Charming Man” meets “Disorder”. So dürfte hier eine Formel der Entschlüsselung lauten. Dem Spirit des ersten Albums ist man jedenfalls treu geblieben, setzt aber einen drauf. Das wird hörbar in Songs wie “Asleep” – zurecht eine Single-Auskopplung des Albums. Oder in “Antabus”, meinen immernoch-Liebling von Makthaverskan II. Richtig tighte Songs sind es geworden, einer penetrant einprägsamer als der andere. It’s Repeat Button Time, Baby!

Und wunderts, dass dieses Album nun in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Japan veröffentlicht wurde? Eigentlich nicht. Ich sehe auch schon die japanische Fancrowd wunderbar klagende Zeilen wie “Fuck you for fucking me when I was seventeen” mitsingen. Sowas, denkt man, kommt da drüben bestimmt an. Gut gemacht, Luxury Label. Und es sei den Japanern vergönnt. Makthaverskan II jedenfalls ist ein tolles Album. Und eines, von dem ich glaube, es mir für meine heimliche Top 10 Liste des Jahres 2013 zumindest weiter hinten einen Platz reservieren zu müssen. Vielleicht auch, weil “Makthaverskan” übersetzt wird in “Machthaberin”.

Wertung von 10:
8von10-klein