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2010, als die Dänen Kissaway Trail ihr zweites Album Sleep Mountain veröffentlichte, bröckelte es hinter den Band-Kulissen eigentlich schon. Dabei waren die fünf jungen Männer zu Beginn des neuen Jahrzehnts so etwas wie Dänemarks realistische Hoffnung, am britisch dominierten Alt-Pop-Rock Zirkus teilnehmen zu können. Peter Katis (Interpol, The National, Locas In Love) wurde damals als Produzent herangezogen und es folgte eine US-Tour mit The Tamper Trap plus Slots auf vielen der wichtigsten Europäischen Festivals sowieso. Nur das große Medieninteresse stieg eher mäßig. Kissaway-Bassist Rune Pedersen hörte man damals in Interviews zwar etwas unterkühlt aber dann doch sagen: “With this album we discovered who we are as a group.” Und wie Recht er hatte!

Denn bald sollte Pedersen die Band verlassen und Gitarrist Daniel Skjoldmose folgte ihm gleich hinterher. Die Gründe sind wie so oft geheim, aber so spannend werden sie nun auch wieder nicht gewesen sein. Irgendwas wurde nun mal discovered im Bandgefüge und dann: Peng. Vielleicht wurde ja entdeckt, dass tieferes Charisma und mediale Selbstdarstellung nicht zu den allergrößten Stärken der Fünf gehörten, und dass das ganze Band-Unternehmen vielleicht grade deshalb nicht so wahnsinnig abheben wollte. Oder ist es einfach ernüchternder, als man denkt, Jahr für Jahr oft nur die Vorabendslots der kleinen Festival-Bühnen bespielen zu dürfen?

Ist Kissaway Trail nun nicht die Sorte Band, die das Posieren beherrscht, so posierte stellvertretend Sleep Mountain 2010 mit Songs wie “Beat Your Heartbeat”, “Friendly Fire” oder “Enemy”. Und das tat es erstmal ganz gut. Die Tür zum nächsten Level stand trotz allem plötzlich offen. Vor allem auch, weil die Band musikalisch dann doch etwas abseits von sonst leichtfälligen britischen Soundreferenzen wie den Editors oder Interpol praktizierte.

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Dann also der Bruch, dann die Reinigung, jetzt der Nachfolger. Breach entstand also in dreier Besetzung (Thomas Fagerlund/Soren Corneliussen/Hasse Mydtskov) und: es klingt indie-amerikanischer als jede andere Veröffentlichung von Kissaway Trail.

Man darf der Band hauptsächlich gratulieren. Denn auch wenn nach dem ersten Drittel des Albums der Genussfaktor etwas sinkt, haben Songs wie “Cuts Of Youth (Razor Love)” und “The Springsteen Implosion” direkten Wiederhörwert. Und wo die restlichen Songs schwanken zwischen gemächlicherem Erzähltempo und possierlichen Uptempo-Nummern, steht doch eines nach dem Hören fest: mit den beiden oben erwähnten Ex-Bandmitgliedern ging auch der Schwiegersohn-Faktor. Es verzog sich das “Pop-” im verträumten Pop-Rock-Feeling und es kam eine heimliche Stufe von Edginess dazu.

Das gelungenste an Breach ist nun, dass es bravourös den schmalen Grad zwischen einerseits konservativerer Publikumsansprache und andererseits eleganter Emanzipation geht. Unglaublich originell klingt das Sound-Ergebnis dadurch nun auch nicht, das ist allen klar. Aber naja, es ist schon schwer genug, mit dem Strom zu schwimmen. Und irgendwas muss eine Band ja gut können.

Wertung von 10:
7von10 klein

Tour:

05.10.2013 Wien – Chelsea
06.10.2013 Weinheim – Café Central
07.10.2013 Lausanne – La Romandie