Als ich den Comet Club betrete, denke ich: Oh Fuck. Das Konzert ist nämlich bereits in vollem Gange, der Saal ordentlich gefüllt, die Luft schlecht und das Publikum verausgabt sich mit Jubel, Pfiffen und Bier. Aber vielleicht ist das Konzert nicht nur in vollem Gange, sondern auch gleich wieder vorbei! Ich dachte ja irgendwie, es soll um 22 Uhr anfangen und jetzt das! Das Publikum jedenfalls scheint mir, als sei es schon seit einer Stunde hier. Eine warme, sich bewegende Masse, tiefenentspannt, ganz dabei. Glücklich. Hab ich jetzt also etwa den Auftritt verpasst, auf den ich mich seit Wochen freue?

“Moonshine Got Me” singt das Blues-Genie Norgren, als ich rein komme. Und er sitzt irgendwo da vorne, spielt gleichzeitig Gitarre und Schlagzeug und ist dabei unsichtbar für mich, der sich das Ganze ja aus letzter Reihe anhört. Manchmal nur kann ich sein Gesicht für wenige Sekunden zwischen den Köpfen des Publikums sehen. Und da sehe ich dann, wie er seinen typischen Look aufträgt: altes Hemd mit alter Kappe. Mit dieser Kappe verdeckt er dem Publikum seine Augen, verdeckt das Publikum aber auch für sich. Es könnte ihn vielleicht ablenken bei seinem Spiel, in das er sich grade vertieft und durch welches er mantraartig und schaukelnd seinen 10minüter fertig bringt. Ich jedenfalls bin nach weniger Minuten zutiefst beeidruckt und selten habe ich ein Publikum vor so kleiner Bühne so begeistert erlebt.

Was folgt, ist nicht das Ende des Konzerts. Ich habe dann wohl doch nur 30 Minuten verpasst, schätze ich. 30 Minuten zwar, die ich bitter bereue. Aber großartige Songs kommen trotzdem noch: “Putting My Tomorrows Behind”, “Whatever Turns You On” und “I’m A Welder” zum Beispiel. Zu Letzterem sagt Norgren, er handele von einem Polen, den er kennt. Interessant. Ansonsten sagt Norgren und sein Bassist aber nicht viel. Ihre Musik ist Sprache genug. Und sie schafft es sogar, die leidenschaftslose, schlecht gelaunte Bar-Aushilfe zum Mitwippen zu bewegen. Auch das ist bewundernswert.

Norgren und sein Bassist müssen dann zwei Zugaben spielen angesichts des überbordenden Applauses. Als Norgren dann aufsteht, um sich zu verbeugen, seh ich ihn also doch mal länger als eine Sekunde. Und ja, ich kann sein glückliches Gesicht erkennen. Das haben wir dann wohl grade gemeinsam.

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Die Tour geht weiter und ich kann sie nur strengstens an Herz legen.

19.10.13 Beatpol, Dresden
22.10.13 Blue Shell, Köln