Tobi (stehend) und Max von Isolation Berlin (Fotos: Noel Richter)

Tobi (stehend) und Max von Isolation Berlin (Fotos: Noel Richter)

Sänger Tobi B. sagt “Man kann nur über das singen, was man erlebt.” Er und der Rest der vierköpfigen Band Isolation Berlin singen also Songs wie “Alles Grau”, sein Refrain: “Ich habe keine Angst vorm Sterben mehr”. Oder den Song “Körper”, Refrain: “Ich will aus meinem Körper raus.” Oder Song “Meine Damen und Herren”, darin die Zeilen: “Was ist das für ein Mist/wenn man innerlich völlig zerfressen ist.”

Ich sah Isolation Berlin vor ein paar Wochen als Vorband der Fat White Family und war so sehr angetan von Auftritt, Lyrics, Sound und Ausstrahlung, dass ich sie zwei Wochen später noch mal live sah und die Chance zu einem kleinen Gespräch nutzte. Ob mich ihr 80er Post-Punk Anstrich so überzeugte, den sie paaren mit diesem 50er Rock-Jahre Vibe? Beides jedenfalls scheint ein wichtiges Element der Band zu sein und klingt erfrischend neu. Tobi dazu: “Am Anfang war ich sehr inspiriert von der Post-Punk Geschichte, der Neuen Deutschen Welle. Also Palais Schaumburg, Grauzone, Malaria, Ideal. So fing es eigentlich an bei mir. Aber als Band haben wir auch ganz viel von so 50er Jahre Rock, so einen Eis-Am-Stiel-Soundtrack.”

Irgendwann jedenfalls lernt Tobi Max kennen, heute Leadgitarrist bei Isolation Berlin. Zu Beginn da nannten sich die beiden “Die zwei Mexikaner”, spielten dann in verschiedenen Besetzungen, wechselten Bass und Schlagzeug so lange aus, bis es nicht “nur Arbeitsverhältnis-Mitmusiker waren, die einfach nur zu den Proben kamen. Es fehlten die, die dahinter standen. Hinter den ersten Songs!” Es kamen die neuen Bandmitglieder (David Specht am Bass und Simeon Cöster am Schlagzeug) und es kam auch der neue Bandname. Den scheint aber besonders Tobi vertreten zu können: “Ich bin mit 13 nach Berlin zugezogen. Aber kein Berliner akzeptiert mich als Berliner. Isolation Berlin. Das ist eine der Ideen, aus dem der Bandname stammt.” Seine Texte dann wohl auch.

Und sonst so? Die Band ist noch sehr neu, gegründet Anfang 2012. Ihre ersten professionelleren Aufnahmen erscheinen diesen November als EP. Max: “Wir nehmen eigentlich schon seit Ewigkeiten auf. Unsere EP ist aber jetzt fertig und muss nur noch gemischt werden. […] Wir haben einen Kumpel, bei dem wir aufnehmen konnten. Uns ist nicht so wichtig, wo wir das verkaufen können, sondern dass wir mit einem aufnehmen, der versteht, was wir wollen. Außerdem haben wir auch kein Geld. Wir haben nur die Leihgebühr für Mikros bezahlt. Die EP wird jedenfalls das erste Repräsentative für unsere Band sein.”

Ich will mit diesem Text hier aber nicht warten, bis diese EP erscheint, einfach weil ich der Überzeugung bin, mehr Menschen müssen so früh wie möglich von Isolation Berlin erfahren. Das geht live zum Beispiel wieder im November in Leipzig und Berlin. Aber wer weiß, was noch dazwischen kommt? Tobi: “Bei jedem Konzert entstehen eigentlich zwei neue Konzerte. Und in den letzten zwei Monaten hatten wir mehr Konzerte, als in unserer gesamten Laufbahn, glaub ich. Zehn bis Fünfzehn Konzerte oder so. Mittlerweile spielen wir so zwei bis vier mal pro Monat. Qualität setzt sich durch.”

Mein zweites Konzert von Isolation Berlin heute Abend wird zu einem Akustik-Set gestaltet. Tobi zieht während des Konzerts Zettel mit Songnamen, um festzustellen, was als nächstes gespielt wird. Das Publikum aber findet jeden Song großartig, der heute performt wird, ganz gleich, in welcher Reihenfolge sie kommen. Und so viele Freunde kann die Band nach eigenen Aussagen ja gar nicht haben, dass sie diesen Raum hier füllt mit vorbelasteten Menschen. Eine gewisse Form der Isolation bleibt. Neue Freunde wird die Band heute aber trotzdem dazu gewonnen haben, seien es auch nur Freunde für diese Nacht. Man gönnt es ihnen. Die Isolation übrigens auch.

 

edit. Unsere Rezension der EP gibt es inzwischen hier nachzulesen: Isolation – Aquarium EP