easy october

Würde man heute noch Mix-CDs für andere Menschen brennen und würde man diesen Menschen damit seine besondere Zuneigung ausdrücken wollen, ja, dann dürfte sich der ein oder andere Song von “Things We Said Yesterday” auf diesen CDs untermengen lassen. Denn dieses Album dürfte nicht wenigen weiche Knie bereiten in seiner sympathischen und analogen Indie-Pop-Zuckerigkeit.

Aber mal nebenbei gefragt: wie ist das eigentlich mit all den Hochzeiten von so Indie-affinen Pärchen? Die müssen da doch auch immer ihre gemeinsamen Lieblingslieder einspielen lassen auf ihrem dollen Event. Und wo kommen diese Songs immer her? Ich war mal auf einer Hochzeit, da hat sich das Paar als Lied für ihren ersten Tanz “Nothing Else Matters” von Metallica gewünscht. In der S&M Version! War das peinlich. Aber werden diese alten Schinken nicht auch irgendwann von zeitgemäßerem ersetzt werden müssen? Natürlich werden sie das.

Auf dem Debütalbum von Easy October wäre für solche Gelegenheiten jedenfalls der Song “Rocket Man” gut geeignet. Der bietet als schmachtendes Pop-Monster Zeilen wie “I could be your rocket man, you know, I would burn, I’d explode, I would fly away just for you.” Und die eben getüncht in einer so zuckrigen Sentimental Pop Farbe, dass ich daran nicht aufhören kann zu lecken … irgendwie (ja, ich find “Rocket Man” nämlich ganz schön klasse einlullend). Überhaupt hört man auf diesem Debütalbum überraschend solides Indie-Pop Handwerk. Und wie kann das sein bei einem Debütalbum, das so aus dem Nichts stolpert? Tjaaa.

Die Schweden Easy October sind eigentlich eine neue Band-Combo bestehend aus den arrivierten Musikern Kristoffer Hedberg, Johan Hakansson (Soundtrack of our Lives), Nikke Ström und Kristofer Åström. Åström’s alter (und inzwischen irgendwie auf Eis gelegter) Hardcore-Rockband Fireside habe ich übrigens erst kürzlich wieder Gehör geschenkt. Ihr Album Do Not Tailgate (1995) kann man in seiner Qualität kaum überschätzen. Unbedingt noch mal reinhören! Oder habt ihr euch nie gefragt, was die Bands Refused und The (International) Noise Conspiracy damals gehört haben müssen, um ihre so immens einflussreichen Alben The Shape of Punk To Come (1998) und Survival Sickness (2000) zu erschaffen?!

Kristofer Åström habe ich einmal, ich glaube das war 2008, in meinem Auto zu seinem Gig befördert. Während der Fahrt sprachen wir über das Pro und Contra davon, würde man an allen Straßen kleine Lautsprecher hängen, aus denen ständig Musik kommt. Heute frage ich mich, wie es wäre, wenn aus diesen Lautsprechern Songs von “Things We Said Yesterday” liefen. Würden sich die Leute öfter verlieben? Oder gerade das Gegenteil, weil es in Wirklichkeit total nervt, sich zu Schmacht-Pop zu verlieben? Das würde ich Åström heute gerne ganz ungeniert fragen. So ungeniert, wie er damals spät nachts fragte, ob man ihm gewisse Substanzen verkaufen könnte … aber das, liebe Leute, ist eine andere Geschichte und passt letztlich so gar nicht zu Easy October.

Wertung von 10:
7von10 klein

 

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Im Januar 2014 auf Tour!

09.01 Bielefeld – Bunker Ulmenwall
10.01 Düsseldorf – Spektakulum
11.01 Köln – Die Wohngemeinschaft
12.01 Göttingen – Junges Theater
13.01 Darmstadt – Bedroomdisco
14.01 Weinheim – Café Central
15.01 Basel – Kuppel
16.01 Bern – ISC
17.01 Zug – Galavnik
18.01 Schwäbisch Hall – Paula Will Tanzen
19.01 Saarbrücken – Sparte 4
21.01 Dresden – Beatpol
23.01 Münster – Gleis 22
24.01 Essen – Grend
25.01 Hamburg – Knust @ PASS!ON VICTIM Vol. 5