kevin devine bulldozer bubblegum

Was haben Guns N’Roses, Bruce Springsteen, Bright Eyes und Kevin Devine gemeinsam? Genau, sie alle veröffentlichten schon mal zwei Alben zum exakt gleichen Zeitpunkt. Und sie alle forderten vom Publikum selbstverständlich, die jeweiligen Veröffentlichungen grundsätzlich als eigenständig anzuerkennen. Diese Duette, welche bei Guns N’Roses Blues VS Rock (1991), bei Springsteen Rock VS Schrott (1992) und bei Bright Eyes Folk-Pop VS Electro (2005) bedeuteten, offenbaren sich bei Devine nun als Punkrock VS Folk-Pop, Bubblegum VS Bulldozer.

Und fast immer stehen solche “Doppel”-Alben in einer Beziehung zu einander, die Abhängigkeit bedeutet. Im Fall von Devine verstärkt die sich allein schon durch die Tatsache, dass der Titel des gemächlich-soften Bulldozer viel besser Album Bubblegum beschreiben würde. Und umgekehrt. Eine elegante Verbindung, eine sympathisch schnippische auch. Aber das Wortspiel Bubbledozer & Bullgum wäre tatsächlich unangebracht! Denn eines ist klar: beide Alben können wir trotz Verwandtschaft grundsätzlich als eigenständig und zueinander unterschiedlich anerkennen. Das sei schon mal gewonnen.

Jesse Lacey ist ein langjähriger Freund von Devine, der schon während der Aufnahmen von Split The Country, Split The Street (2005) und Brothers Blood (2009) anwesend war. Und auch wenn er damals nur als Fan im Studio herumhing, kam es Devine nach eigenen Aussagen vor, als wolle Lacey sich beteiligen, sich einmischen und kreative Vorschläge herantragen. Als Produzent von Bubblegum kam er nun also zu seinem späten Glück. Und wenn Kevin Devine in Vergangenheit oft Raufbold-Pop-Songs veröffentlichte, die mal in den Folk lehnten und mal in den Punk, dann schaffte es Lacey auf Bubblegum den Folk fast ganz auszuknipsen. Ein wahrer Freundschaftsdienst. Songs wie der Opener “Nobel Prize”, oder “Fiscal Cliff” oder “Bloodhound” stellen die Herzstücke dieses Albums dar. Edgy, noisy, bummkratzstampf. “Nirvana covering The Vaselines”, wie Devine selbst in einem Interview sagte. Dem lässt sich schlecht widersprechen.

Wo sich Bubblegum noch vereinzelt politischen Themen widmet – in “Private First Class” etwa, wo Devine das Wort direkt an Chelsea Manning richtet –, da wird es auf Bulldozer etwas intimer und putziger. Twee-Pop könnte man das bald nennen. Oder: liebevolle Devine-Oldschool, produziert von Rob Schnapf. Ja, genau der Schnapf, der auch maßgeblich an Elliott Smith’s Œuvre mitproduzierte. Besonders hört man Schnapf’s Stil nun auf Devine’s “Couldn’t Be Happier” heraus, welches fast als Hommage an den production sound von Elliott Smith Alben wie XO (1998) gelesen werden kann. Glanzvoll und ein wenig gruselig. Gerade wo sich doch gestern Smith’s 10. Todestag jährte.

Nach allem bleibt Bulldozer nun etwas konturlos und Bubblegum’s Abruck liegt zu tief begraben, um ihn in irgendeine Richtung wegschieben zu können. Der Gewinner im Kampf des Monats heißt also: Bubblegum. Man wird sich zwar in einigen Jahren gewiss noch an beide Alben erinnern können, stellen sie doch so etwas wie Devine’s Durchbruch auf ein neues Level dar. Mit seinem aber etwas anmaßendem Versuch hier ein Opus Magnum abzuliefern, verzockt er sich. Der 30something Devine wird einen nächsten Anlauf nehmen müssen. (Mal sehen übrigens, ob der dann auch wie in diesem Fall mit einer so erfolgreichen Kickstarter-Kampagne startet!)

Man könnte nun lange spekulieren, warum heutzutage von jemandem wie Kevin Devine der musikalisch kantigere Album-Entwurf besser gefällt. Legt der sich vielleicht formschöner auf unsere Zeit? Und hätte uns vor zehn Jahren das softere Bulldozer vielleicht besser gestanden? Devine’s Doppel-Werk trägt selbstverständlich einen Zeitstempel in sich und bestimmt sagt dessen Rezeption auch was über uns aus. Aber diesen Komplex jetzt auseinanderzuklamüsern, überfordert doch den größten Gelehrten. Ich halte es lieber mit einer Zeile aus Devine’s Song “From Here”: “We’re from here and nothing changes that.”. So einfach ist das. Und Bubblegum/Bulldozer ist ein feines Stück Musik … and nothing changes that either.

Wertung von 10:
8von10-klein

Fanvideo zu “Fiscal Cliff” (Bubblegum):
[youtube id=”ZAa2jW-Yp-I” mode=”normal” align=”center”] Songupload zu “Little Bulldozer” (Bulldozer):
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Tour im Januar:
18.01.2014 DE – Schorndorf – Manufaktur
21.01.2014 DE – Köln – Blue Shell
22.01.2014 DE – Wiesbaden – Schlachthof
23.01.2014 DE – München – Kranhalle
24.01.2014 DE – Berlin – Magnet
25.01.2014 DE – Hamburg – Knust @Passion Victim
27.01.2014 AT – Wien – B72
28.01.2014 AT – Graz – PPC
29.01.2014 AT – Innsbruck – Weekender
30.01.2014 AT – Salzburg – Rockhouse
31.01.2014 CH – Zürich – Rote Fabrik
01.02.2014 CH – Basel – Parterre