the-freeks-full-on cover


The Freeks
nennen sich eine Supergroup. Eine Supergroup zwar mit super schlechtem Bandnamen, aber dafür mit recht vorzeigbaren Musikernamen. Ruben Romano z.B., Gründer, Gitarrist und Lead Vocalist der Freeks, spielte in den Neunzigern auf drei Alben von Fu Manchu Stoner-Schlagzeug. Dort stieg er 1997 aus und gründete die minder erfolgreiche Band Nebula. Oder Hari Hasson. Der klopfte lange Zeit für die bekannte Blue Man Group auf Plastikröhren rum. Und jetzt halt auf Full On.

Aber irgendwo ist die so genannte “Supergroup” The Freeks auch eine Mogelpackung. Denn außerhalb nerdiger Stoner-Fan-Kreise dürften die wenigsten Musikhörer die Bands kennen, aus denen die anderen Mitglieder stammen. Backbiter? The Porno Sponges? Roadsaw? Schon mal gehört!? Sei’s drum. Das Stoner-Netzwerk gibt nämlich noch ein paar andere Namen her.

Produzent des Debüts der Freeks (The Freeks, 2008) war immerhin John McBain, Gründungsmitglied von Monster Magnet. Produzent von Zweitwerk Full On ist nun Scott Reeder. Der wiederum spielt jetzt seit über zehn Jahren Schlagzeug bei Fu Manchu (und damit ja irgendwie auch am Erbe von Ruben Romano). Nun, man kennt sich halt mit den Jahren und der heutige Stoner-Nachwuchs dürfte immer noch ehrfürchtig hochschauen zu Romano und Co. Die Älteren im Raum würden das wohl schulterzuckend Vitamin B nennen.

“Vitamin D” nennt sich dagegen ein Song auf Full On. Den kürte ich schnell zu meinem Favoriten dieses insgesamt mal bretthartem, mal psychedelischem, meistens zäh verrockten Stoner-Albums. Warum? Weil “Vitamin D” mit fast acht Minuten der längste Song auf Full On ist und dabei unter Verzicht auf das ganze stereotype Brimborium der Stoner-Schubladen mit freundlichem Akkustik-Gitarren, unaufdringlichem Mix und betontem Early-70s-Flair einen unerwarteten Entspannungs-Effekt erzeugt. (Dass die frühen 70er auf Full On übrigens auch noch optisch ihren Fingerabdruck hinterließen, sieht man spätestens beim Öffnen der CD-Hülle. (Links die neue Freeks, rechts zum spontanen Vergleich ein altes Blue Cheer Cover Artwork)

Nun, und dann ist da der Song “Weirdness”. In Länge, Härte und Haltung der Gegenentwurf zu “Vitamin D”. Zu hören ist darauf ein Ruben Romano, wie er mit ausnamehafter, krächzender Stimme und vollsten Einsatz klingt wie ein Zwanzigjähriger in der 1960ern. Post-Protopunk aus dem Jahr 2013. Das muss man einfach gehört haben. Gruselig gut. Unterm Artikel zu hören!

Supergroup hin oder her. Den Freeks ist mit Full On ein überraschend gutes Album gelungen (abgesehen von den etwas dümmlichen Intro- und Outro-Tracks des Albums). Und ihnen ist nicht mal so ein Album gelungen, das wieder ausschließlich den ganzen MetalHammer Lesern vorgelegt werden kann. Es gibt viel zu entdecken auf Full On. Und am Ende, ja, da sind The Freeks vielleicht eben doch ‘ne Supergroup.

Wertung von 10:
7von10 klein

The Freeks sind Anfang 2014 auf Europa Tour.

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