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2005 begann Foy Vance seine Solo-Karriere damit, Konzerte auf britischen Toiletten zu spielen. Seitdem ist viel passiert und die Erfolgssträhne scheint nicht abzureißen. 2013 gewann Foy Vance den Northern Ireland Music Prize für das beste Album, “Joy Of Nothing”, tourte mit Wunderkind Ed Sheeran durch die Staaten und absolviert grade seine eigene Welttournee. Nächstes Jahr reist er mit Edward Sharpe & the Magnetic Zeros durch Europa. Backstage will ich von Foy Vance aber erst mal nur eines wissen.

“Was hat es mit diesem Bart auf sich?” “Das ist deine erste Frage?” Er lacht und weiß keine Antwort. Dabei trägt er diesen markanten Schnurrbart erst seit letztem Jahr. Eine mutige Entscheidung für einen 39jährigen. Und zu einer interessanten Entscheidung wird sie hier, wenn dieser 39jährige Musiker aus Irland stammt und diesen Look zudem mit der urtypisch irischen Tweed Schirmmütze kombiniert. “Ich finde, du siehst aus, wie einer dieser irischen Einwanderer aus dem 19. Jahrhundert. Reagieren die Amerikaner anders auf deinen Look als Europäer?” Vance grinst, zwirbelt nachdenklich am Schnurrbart. “Das kann ich dir wirklich nicht beantworten.” Nein, er will keine Absicht hinter diesem Schnurrbart erkennen lassen. Und fast denke ich, es sei ihm sogar unangenehm, bald 5 Minuten über Gesichtsbehaarung zu sprechen. Wir wechseln hier also lieber das Thema.

Denn auch, wenn Foy Vance seit letztem Jahr also so etwas wie sein signiture face hat, ist seine Musik größer, als diese oberflächliche Herangehensweise vermuten lässt. Auf seinem zweiten Album Joy Of Nothing versammelt er zehn Songs, die er in den zwei Jahren vor den Studioaufnahmen sammelte. Songs, die beeinflusst von Soul und Folk mal schwelgerisch, mal melancholisch, nie kitschig (und das sage ich als jemand, der David Gray nur belächelt) von den ganz großen Themen handeln. Liebe, Freunde, Verlust. So wirkt es auch nicht herablassend, dass für zwei seiner Albumtracks die zehnfache Grammy Gewinnerin Bonnie Riatt und der junge britische Chartstürmer Ed Sheeran Backing Vocals einsingen durften. Freunde von Vance. Sie schmeicheln seiner gewaltigen Stimme sehr.

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“Du hast in deinen kompletten 20ern in verschiedenen kleinen Coverbands Bass gespielt. Wie ist es eigentlich, sich 2013, mit 39 Jahren, plötzlich und wie selbstverständlich in Los Angeles wieder zu finden, wo man sich mit Ed Sheeran, Taylor Swift, Ellie Goulding und Gavin DeGraw trifft, und im Wohnzimmer gegenseitig Songs vorspielt? Was hast du eigentlich richtig gemacht für diesen Erfolg?” Vance gefällt der Begriff Erfolg nicht. “Weißt du, ich fühle mich nur dann erfolgreich, wenn ich einfach tun darf, was ich will. Niemand auf der Straße erkennt mich. Nicht mal wirklich in Irland. Und diese Nacht, von der du sprichst: ich schaute in die Runde und dachte, ja, das sind richtige Berühmtheiten. Aber ich habe diesen Status nicht und will ihn auch nicht. Auf diese Art Erlebnisse bilde ich mir nichts wirklich ein. Ich würde nicht mit denen tauschen wollen.”

Ganz so bescheiden war er nicht immer. Er wechselte vor wenigen Jahren sein Management. “Ja, ich arbeite jetzt smarter. Früher hab ich wirklich in jedem Loch gespielt. Heute sage ich: less is more.” In Deutschland ist er wenig bekannt. Er war hier für einige Support-Tours, spielte z.B. mit Tori Amos. Mit seiner aktuell laufenden Welttournee performt er aber zum ersten mal Headline Shows auch in Deutschland. Es überrascht also wenig, dass der heutige Sonntag Abend im Roten Salon nicht ausverkauft ist.

Wer es heute aber hier her schafft, hört zunächst als Support den jungen Iren Peter McCauley alias Rams’ Pocket Radio. Ein guter Pianist und Sänger. Aufstrebend, talentiert, dem hiesigen Szenario gewachsen. Aber eben am Anfang seiner Solokarriere. Das merkt man. Um 22 Uhr spielt dann Foy Vance und beginnt sein Set mit einem seiner Klassiker, “Be The Song“. Es folgen viele Songs aus seinem Album Joy Of Nothing. “Janey“, “At Least My Heart Was Open“, “You And I“, “Joy Of Nothing“. Es wird eindeutig, welche Qualität diese Songs besitzen. Welche Energie und Nähe sie hier vermitteln. Diese Herzlichkeit. Im Publikum befinden sich, wie ich erwartet habe, dann ja auch die typischen Pärchen. Er hinter ihr stehend, sie von hinten umarmend, schunkelnd, heimliche Küsse austauschend, tuschelnd. Diese Menschen sind bei Vance’s Konzerten eben so erwartbar wie erwünscht. Sie multiplizieren die friedliche, liebevolle Atmosphäre nur noch weiter. Sie funktionieren wie Verstärker von Vance’s Esprit, singen bei jeder der vielen Aufforderung mit, genießen die Freundschaft, die von der Bühne strahlt. Wie Botschafter Vance’s grundpositiver Ausstrahlung. Sie lächeln, weil sie an das glauben, was dort vorne passiert.

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Spricht man Vance auf seinen persönlichen Glauben an, wo doch sein Vater Prediger war, Foy selbst so manche faithful Songs wie “Shed A Little Light” performt und dem Gospel nahe steht, antwortet er: “Weißt du, ich habe den Glauben in Dinge. Aber nicht in irgendwas, das man Religion nennen würde oder einen Gott mit dem man persönlich spricht.” Ich soll in diesem Moment nicht wissen, welche Dinge es sind, an die Foy Vance glaubt. Vielleicht an das große Ganze? Bestimmt jedenfalls glaubt er an den Kontakt mit Menschen. So sieht er auch sein Twittern nicht als Promotion-Instrument an. “Ich liebe den Fakt, dass du zu Menschen, die deine Musik mögen, einfach so online sprechen kannst. Dass du ihnen zeigen kannst, auf was du grade schaust per Instagram. Dass du darüber schreiben kannst, was du denkst per Blog. Als Fan von anderen Künstlern liebe und nutze ich diese Kanäle ja auch. Aber es ist ehrlich gesagt auch wichtig, das alles manchmal…naja…nicht zu benutzen. Man sollte einfach nicht immer am Smartphone hängen. Schließlich ist das nicht natürlich. You need time. You need to be, man.

Zum Abschluss den Konzerts perfomt Vance seinen Song “Guiding Light”. Damit schließt er seine Konzerte immer ab. Und er bittet uns Publikum, den Refrain “When I Need To Get Home, You’re My Guiding Light” am Ende dieses Liedes auch noch dann weiter zu singen, wenn die Band die Bühne schon längst verlassen hat. “Klatscht nicht. Singt. Tragt den Song mit nach draußen. Singt ihn für euch alle. Tragt ihn auf die Straßen.” Wir glauben ihm. Wir folgen ihm. Das gesamte Konzerte steuert scheinbar auf diesen Moment hinaus. Auf diese Gänsehaut und das Gefühl eines Miteinanders. Wir hier kannten uns nicht und als Vance schon backstage ist, singen wir eben für den Menschen neben uns. Ist das etwas, woran Foy Vance glaubt? An uns Menschen? Daran, dass wir uns selbst glücklich machen können? “You need to be.”, klingt es in meinen Ohren nach. Und ich singe Foy’s Zeilen noch auf der Heimfahrt. Und ich sang sie am Tag darauf. Und ich werde sie in Zukunft singen. Vielleicht sind wir so etwas wie Freunde geworden.