Es ist kein Geheimnis mehr, dass ich das Debüt-Album die Berliner Band UNS ziemlich toll finde. Dass ich vergangenen Freitag zu ihrem Konzert im Magneten ging, war mir daher ein Anliegen höchster Stufe. Am selben Tag nahm ich es mir daher auch nicht, ihren Auftritt beim Web-TV Sender Joiz zu sehen. Dort sollten sie musikalisch gegen einen Hip Hop Act antreten. Das Publikum stimmte dabei online ab, welche Musik ihm besser gefällt. Und natürlich: UNS haben verloren. 62% der Zuschauer waren gegen Electro-Punk der Marke Obskur.

Für mein Verständnis jedoch war das Ganze ein Sieg, nein, ein Triumph! Ein Triumph gegen Schrott-TV, gegen eingemachte Musikgewohnheiten und gegen die grässliche Joiz-Moderatorin Alexandra. Sie und ihr leeres Dauergrinsen stellte die gar abstoßende Form des Spaßimperativs dar. Dass es dem Trio UNS sichtlich schwer fiel, in dieser Primaballerina-Athmosphäre überhaupt einen Gedanken zu fassen (d.h. ebenso dumm-vergnügt in die Kamera zu glotzen), war mehr als verständlich. Ich litt mit der Band. Und ich sah mich bestätigt, als ich UNS Stunden später auf einer richtigen Bühne sah. Dort lautete eine Bühnenansage von Frontmann Sebastian Cleemann nämlich: “Wie ihr vielleicht wisst, waren wir heute bei VIVA Interaktiv. Eine wirklich interessante Erfahrung.” Ja, ich mag diesen Humor. Und ich mag ihn diese Nacht mit jeder Ansage mehr.

uns gegengift promo

Während es Konzerts siedelt sich in der ersten Reihe eine kleine Fraktion von Fans an. Total gut anheizbar, total ergeben. Total dabei. Total verwunderlich aber auch. Woher kennen die zum Beispiel die Texte zum Vorzeige-Song “Gegengift” eigentlich so gut? Für mich traten UNS jedenfalls erst vor wenigen Wochen in Erscheinung. Ob das in der ersten Reihe alte Kate Mosh Fans sind? Oder Petula Fans? Oder Shiva Fans? Aber gibt’s Fans der letzten zwei Bands überhaupt noch?! Egal. Aus diesen drei (Ex-)Bands setzt sich UNS schließlich zusammen. Vielleicht sind’s eben nur Verehrer. Schnell-Auswendiglerner.

Es folgt jedenfalls eine heftige Show. Ziemlich rasant. Wie das Album Gegengift eben. Ein Höhepunkt nach dem anderen. Ich denke: kann es sein, dass diese Platte so circa nur Hits zu bieten hat!? Ich wusste ja, Gegengift ist echt gut. Aber das Geschehen da vorne deutet noch viel mehr live-Kraft an, als ich vorher vermutete. Mein persönlicher Favorit “Kapitän” wird auch gespielt. Glück gehabt. Und bei so einigen Songs fängt sogar ein (ganz) kleiner Mosh Pit an. Ja, wirklich! Fand ich toll. Bloß: immer wenn dieser anfing, war das Lied auch schon wieder vorbei. Man hat uns hartnäckig an einer Extra-Runde irrem Tanzgenuss beraubt! So fühlte es sich an.

Und nach gefühlten drei oder vier Zugaben war dann auch Schluss. Aber großartig war’s. Jederzeit wieder. Einen Tag später spielten UNS übrigens in Hamburger Molotov. Und man las am Tag darauf in den Zeitungen: “Einsturzgefahr in Hamburg. Esso-Häuser unbewohnbar.” Die Einsturzgefahr wurde während des UNS Konzerts festgestellt, weswegen die Band ihren Gig abbrechen musste. “Plötzlich bebten die Wände”, gaben Anwohner bekannt. Und muss ich wirklich erwähnen, dass das Molotov an die Esso-Häuser grenzt? Kompliment, UNS.

Weiter auf Tour:
19.12. Stuttgart, Zwölfzehn
20.12. Darmstadt, Oetinger Villa
21.12. Karlsruhe, KOHI-Kulturraum

PS: aber Spaß bei Seite. Man wird die Esso-Häuser wegen allgemeiner Baufälligkeit vermutlich abreißen. Und das heißt eigentlich nichts Gutes fürs Molotov…