Quelle: SRF

The Animen. Quelle: SRF

Fast will ich in diesem kleinen Konzertbericht mehr über die Regensburger Vorband Paper & Places schreiben, als über den Hauptact selbst. Aber nur fast. Meine Kurzfassung ihres Auftritts lautet daher: blutjunges Trio mit hundertmal so-ähnlich-woanders gehörten Indie-Rock/Dance Nummern, das mehr Wert auf Äußeres als auf ihre Musik legt, letztlich aber wegen altersgemäß fehlender Bühnenerfahrung und -ausstrahlung mit Ansagen wie “Der nächste Song ist unser Heartbreaker” oder “Kann mir hier jemand vielleicht einen guten Friseur empfehlen?” davon kommen dürfen. Dass die Band übrigens bei Grand Hotel Van Cleef gesignt ist, wundert doch sehr. Mein Fazit: die Band ist süß und ich nicht ihr Zielpublikum. Und Tschüss, meine Kleinen.

Und Hallo The Animen. Mit ihrem starken 50er und 60er Soul’n’Rock Einfluss ist die Genfer Band nun auch nicht der originellste Act des Jahrzehnts, schon klar, aber dafür: unterhaltsam, solide, glaubwürdig, erwachsen und professionell. Album Hi! machte bei mir in den Tagen vor dem Konzert so einige Runden. Tolle eingängige Songs darauf. “The Road Taken” zum Beispiel mit bei gemischter Mundharmonika. Oder die Single “My Pretty Ballerina”, bei der es ausnahmsweise auch mal mit der Ukulele voran geht. Alles in allem ein Album aber, das zusammen gehalten wird von Sänger Theo Wysers charismatischer Kratzbürsten-Stimme. Sehr oldschool und trotzdem straßentauglich. Ein Album, das darin, sein zu wollen, was es nämlich auch ist, alles richtig macht. Alles klar?

Und in concert so? Alles oben genannte, also von unterhaltsam bis professionell, aber plus: verschwitzt. Im gut gefüllten FluxBau ist es wieder so warm, dass alle Scheiben beschlagen und unsere Blicke also nicht von der hübsch dahin dödelnden Spree abgelenkt werden, sondern sich zum Beispiel auf den Quasi-Dresscode der Band richten. Ein bisschen Chique, ein bisschen Schrott. Irgendwas zwischen Neo-Garage und Soul-City und also passend zum Band-Sound. Dass Sänger Wysers Haare nach kaum drei Songs schon vom Schweiß zerteilt an seinem Kopf klatschen, kann bildlich auf den Punkt bringen, mit welcher Energie man es hier zu tun bekommt. Kick out the Jams und so. Wir müssen die Band also erst mal einholen in ihren Energievorsprung. Paper & Places waren da als echtes Warm Up ungeeignet. Deswegen kriegen wir jetzt also die Kurven, die diese Songs da vorn schlagen, grade noch so mit, während wir gleichzeitig versuchen, das Tanzen nicht ganz zu vergessen.

Beat, Bumm, Clap, Solo. Schwitz, Lächel, Sing, Hoho. Irgendwann während des Konzerts ruft ein betrunkener alter Typ irgendwas Unverständliches zur Bühne. Wyser quittiert das mit einem abfälligen Kommentar, in dem es um sechszehnjährige Mädchen geht. Ein bisschen fies, aber eben auch Zeichen seiner rotzlöffeligen Schlagfertigkeit. Einer Schlagfertigkeit, die er Sekunden später wieder in seine Bühnenperformance steckt, Haken schlagend, Haken schwitzend. Einer meiner Albumfavoriten, “Harder Than Stone”, das konservativste Soul-Stück des Albums, wird gegen Ende des Konzerts auch gespielt und legt im Albumvergleich und so eingeklemmt in der rasanten Performance nochmal an Geschwindigkeit zu. Ein bisschen schade vielleicht, aber eben auch sympthomatisch für den Abend. Alles schnell schnell und alles toll toll. Aber dann ist Schluss und alles gesagt, alles beklatscht. Der Drummer deutet noch auf den Merchandise Stand hin, als ein müdes Publikum schon nach Hause geht. Nur die beschlagenen Scheiben müssen noch eine Weile bleiben.