bo candy

Tjaja, das Österreichische Burgenland. Da kommen Bo Candy und seine (vier!) gebrochenen Herzen ursprünglich her. Der weltberühmte Komponist Franz Liszt (“Lisztomanie” anyone?) wurde 1811 im Burgenland geboren (zu seiner Zeit allerdings noch West-Ungarn). Die Gruppe Ja, Panik begegnete sich in ihrer Urform in diesem Burgenland. Und der Musiker Nino aus Wien singt in einem seiner Lieder “Mit welcher Kulisse hast du in etwa gerechnet/es gibt doch kaum Menschen im Burgenland”.

Das Publikumsaufkommen heute Abend könnte also ein irgendwie gewohnter Anblick für die Band sein. Kaum Menschen gibt es jedenfalls, die montagsabends Lust oder Zeit zu zünftigen Blues-Rock haben. Zumindest nicht der Marke Bo Candy. Dabei ist das Debüt der Band aus dem Jahr 2011 recht ansehnlich. Spannendster Song darauf war für mich “Stare Into Black” – dampfende Drums, ein Guitar Lick ála John Spencer Blues Explosion und alles untermauert mit dem gewissen Bo Candy-Understatement. Eine Formel übrigens, die auf Album zwei, Flowers Must Fade, nur noch in Song “Trojan Horse” zu hören ist. Die Überhand gewinnen 2014 die textlich-melancholischen, musikalisch-heiteren Arangements. Zumindest auf der Platte.

Denn live hat sich die Band eine große Portion Edginess beibehalten. Eine halbe Stunde nach angedachtem Konzertbeginn, um Punkt halb Neun, bewegt sich die Band vom Tresen zur Bühne. Schon ein wenig drollig, wie der Minutenzeiger hier diktiert, wo es lang geht. Und irgendwie übertrieben korrekt, wo doch mindestens die Hälfte der 20 Anwesenden Freunde der Band zu sein scheinen und eine Wohnzimmer-Lockerheit niemanden stören dürfte. Die Angespanntheit verlässt die Band erst nach drei, vier Songs. Da beginnen sie ein wenig Schwung zu erzeugen, lassen sich selbst allmählich gehen und am ehesten liegt das an Sänger Bo Candy alias Thomas Pronai. Als jahrelanger Musiker und Produzent ist er ohnehin ein alter Hase im österreichischen Musikgeschäft und ein routinierter Bandleader. Er gefällt an Mundharmonika, E-Piano und Gitarre. Kittet den Eindruck, den die sonst etwas unbemühte Restband erzeugt.

Ich bin also überrascht, wie viele Songs der Band sich zum Gitarrengeschrammel und -gemucke eignen. Das Publikum goutiert das meist und belohnt besonders das Engagement Pronais. Irgendwo las ich neulich, dass Pronai großer Fan der Rolling Stones sei. Das überrascht mich grade nicht. Einige Songs, wie gesagt insbesondere die des neuen Albums, packen dann aber softer an. Bassistin Judith Filimónova (auch aktiv in der Combo Fijuka) darf in der Mitte des Sets ihren Song “With You” performen – einer von dem ich vorher gespannt war, wie er live wohl klingen würde. Und obwohl sie viel Bühnenerfahrung hat, macht sie dabei einen eher gequälten Eindruck. Ich wundere mich, was ihr nicht passt. Ist es die Enge der Bühne? Denn für fünf Personen geht das da vorn eigentlich schon kaum noch klar. Der Gitarrist Julian Schneeberger zumindest scheint sich ein wenig entspannen zu können und erinnert mich mit seinem Lächeln irritierend stark an Joaquín Phoenix aus dessen aktuellen Film Her. Ach, und Schneeberger ist übrigens auch bei der empfehlenswerten Band Garish als Gitarrist aktiv.

Insgesamt hören wir paar people 60 flotte Minuten lang ein sehr angenehmes Konzert. Klar, es ist zu wenig los hier. Und klar, das beeinflusst die Athmosphäre. Aber für Freunde Österreichischer Rock-Formationen ist das hier was und ich persönlich bin nicht erst seit gestern Freund Österreichischer Rock-Formationen. Um den Kreis nun zu oben zu schließen, kann man noch sagen, dass Thomas Pronai letzten Dezember das bald erscheinende Studioalbum von Nino aus Wien produzierte. Und mit seinen Broken Hearts supportet er ab heute die Gruppe Ja, Panik bei einigen Tour-Terminen zu deren viel besprochenem Album Libertatia. Tjaja, das Burgenland ist vielleicht leer. Aber dafür lernt man sich halt schneller kennen. Und ich wette, Franz Liszt war auch ein Netzwerker.

04.02.14 Hamburg – Uebel & Gefährlich (supporting Ja, Panik)
05.02.14 Köln – Gebäude 9 (supporting Ja, Panik)
06.02.14 Frankfurt – Zoom (supporting Ja, Panik)
07.02.14 Emerkingen – Café Ohne
08.02.14 CH – Zürich – Stall 6 (supporting Ja, Panik)
22.02.14 AT – Linz – Posthof (Konkord Labelnight)
28.02.14 AT – Mödling – Red Box (supporting Nowhere Train)
22.03.14 AT – Oslip – Cselley Mühle