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Das Schlechte an kleinen, österreichischen Bands ist, dass sie unregelmäßig bis gar nicht in Deutschland touren. Das Gute daran ist, dass man sich aber, wenn es denn mal doch so weit ist, um so mehr auf ihre Auftritte freuen kann. Das schlechte daran ist nun wiederum, dass sie dann oft nur als Vorgruppe spielen dürfen. Aber dann gibt’s noch etwas Gutes: eine Freundin von mir zog Anfang des Jahres nach Wien. Jetzt habe ich also endlich auch mal so was wie eine Vertrauensperson vor Ort, die ich bald besuchen werde, wenn die auch Zeit hat. Das mach ich dann aber eher an einem Wochenende, an dem mindestens drei der kleinen, interessanten österreichischen Bands auftreten. Das Schlechte daran wäre nun natürlich, dass das alles eher unwahrscheinlich zusammenfällt. Ach, ach.

Jedenfalls würde ich mir sicher und gerne und am besten zwei mal Clemens Denk live anschauen. Auf seinem neuen Album befinden sich 14 Songs. Davon sind vier richtig eingängig, schmissig sogar, heißen “Aber der Sound ist gut”, “Blick”, “Mein Beitrag” und “Bis es fad wird” und flirten uns mit einem dollen Velvet Underground-Charme an. Diese Songs mag ich immer wieder hören und tue das auch. Die restlichen Songs sind da schon eigenwilliger, noisiger, korrupter, dada-esker, irrer, etc. pp.: you name it. … Oder sagen wir einfach: passender zu der Person, als die ich mir den auch als bildenden Künstler bekannten Schludrian und Sänger Clemens Denk menschlich so vorstelle. Songs über Pariser Baguette, Zahnbürsten, Erdbeeren oder zwei Löffel Hass. Allesamt schielende Textexperimente über den conscious stream of Introvertiertheit, die teilweise übrigens auch ganz ohne Musik lebensfähig wären. Sie atmen die Erregung eines verkaterten Morgens nach einer misslungenen Vernissage. Und das tun sie ganz großartig! (Eben auch weil oder wenn ich diese Songs immer überspringe).

In der Clemens Denk Band spielen auch Nino Mandl (Gitarre) sowie David Wukitsevits (Schlagzeug) mit. Letzterer seines Zeichens ja auch Schlagzeuger von Der Nino aus Wien. Für Nino-Komplettisten ist das hier dann wohl eh ein Pflichtkauf. Und für wen noch? Bestimmt auch für Sammler von Zweidrittel obskuren, Eindrittel eingängigen, vor allem aber garagigen No-Fi Projekten. Die Sorte Projekt, die dann selbst dem geneigten Feuilleton ein wenig zu off the shore ist. Und nicht dass ich hier Clemens Denk & Co. ihr baldiges Verschwinden voraussagen möchte. Ganz im Gegenteil. Aber für tiefere Freundschaft mit dieser Musik muss man wohl gefährlich ähnlich ticken, wie Clemens Denk selbst. Ansonsten bleibt man eben irritierter Beobachter.

2012 veröffentlichte Denk auf dem Österreichischen Label Totally Wired Records ein Solo-Album namens Lieder. Von Nonkonformismus und “Kuriosum zwischen genialem Unsinn und wahnsinniger Wirklichkeit” schrieb damals die skug. Ein Held der Weirdness also. Und da Denk jetzt mit der halben Nino aus Wien Combo reüssiert, ließe sich dann nicht fast sogar von einer Art Super Group sprechen? Quasi, um im Denk-Kosmos zu bleiben, an eine “Clemens Band Super Denk”? Sei’s drum. Ich mag diese Band, ich mag bald nach Wien fahren, und ich mag diese Rezension mit dem einem Songtitel von Denk beenden. Einem Songtitel, der dieses Album letztlich nämlich auf den Punkt bringt: “nebürd ad tsi ettiM eiD”.

Wertung von 10:
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